Musik - 25.02.12 -

Lagerfeuer in der Stimme

Kristofer Åström – Americana aus der schwedischen Prärie

Wenn man es geografisch nicht besser wüsste, müsste man meinen, dass die Skandinavier eigentlich Amerikaner sind. Ihre musikalischen Herzen jedenfalls scheinen im Takt des wilden Westens zu schlagen. Ob Bands wie Hyacinth House (warum hört man von denen eigentlich nichts mehr?) oder die sehr vermissten Midnight Choir, ob zuletzt Anna Ternheim oder Maggie Björklund, die Nordlichter haben ein ungeheures Americana-Feeling. Neuester Beweis ist das hauchzarte, wunderschöne neue Album “From Eagle To Sparrow” von Kristofer Åström.

Es ist bereits der elfte Longplayer des schwedischen Singer-/Songwriters und meiner Meinung nach sein bisher bester, weil er sich diesmal ganz auf seine ureigene Stärke vertraut und ohne Wenn und Aber aufs Wesentliche konzentriert: Gitarre, Mundharmonika, Stimme und feinfühliges Songwriting. Und in dieser verdichteten Stimmung erzeugt er endlich einmal durchgehend die Albumatmosphäre, die sein Talent schon lange andeutet.

Aus den durchweg großartigen Songs ragen einige besonders hervor. Gleich der Opener “For You” mit seiner Verneigung vor Folk-Ikone Bob Dylan mit flüssigen Akustikgitarrenriffs und sehr schönen Harmonica-Phrasen weiß zu verzücken und zu beglücken. Mit der “Queen Of Sorrow” fühlt man auf Anhieb mit. Der stimmlich mehrfach gedoppelte Åström fasst einen in dieser Ballade regelrecht an. Das fast 9minütige “Full Moon” mit Maria Taylor als Gastsängerin macht jede sternklare Sommernacht in diesem Jahr romantischer. Dieses wohlige Gefühl wird von “Come Summer” ein weiteres Mal großartig bedient. Ganz hinreißend und mein erklärter Favorit auf diesem superben Werk ist “The Long Run”, das in seinem perfekten Dreiklang aus Åström einfühlsamen Gesang, feinem Gitarrenpicking und den seit langem schönsten Harmonicasequenzen zu den herausragenden Songs des bisherigen Jahres gehört. Wirklich wunderwunderschön und der bislang beste Song des Schweden.

Zwischendrin fügen sich die beiden wunderschönen Gitarren-Instrumentals “Loupita #5″ und “Loupita #6″ nahtlos in den Albumkontext. “Can You Imagine?” mit seiner Anfangsliedzeile “…my name is Johnnie Walker, Jim Beam and Jack Frost…” dürfte zur neuen Hymne aller Whiskey-Liebhaber werden. Das sehnsüchtige Flehen in “When Will You Come Back?” erweicht sicher jedes Frauenherz und “Forget About It”, der todtraurige Abschiedssong über eine verlorene Liebe ringt einem dann zu Tränen rührendes Mitgefühl ab.

“From Eagle To Sparrow” ist in seiner Reduziertheit und fast schmerzhaften Melancholie ein emotionsgeladenes Album ganz besonderer Art, das den beiden letzten Werken von seinen Landsleuten Kristian Matsson aka The Tallest Man On Earth und Christian Kjellvander absolut ebenbürtig, wenn nicht überlegen ist. Kristofer Åström hat hier alles richtig gemacht und ein derart großes knisterndes Lagerfeuer in der Stimme, dass noch jeder Verlorene und Frierende sich daran wärmen kann.

Das erste große Americana-Highlight des Jahres. Toll!

kristoferastrom.com

www.myspace.com/kastrom



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