Musik - 24.02.12 -

Lieder von zeitloser Schönheit

Heidi Happy – wir auch!

Heidi Happy Hiding with the Wolves Cover ArtworkHeidi Happy – als ich den Namen das erste Mal las dachte ich: „Ihr wollt mich doch auf den Arm nehmen!”. Eine Künstlerin, die Heidi heißt, aus der Schweiz kommt und den Nachnamen Happy trägt? Also bitte! Aber wer von uns hätte sich mit dem Namen Priska Zemp ans Licht der Popöffentlichkeit getraut, mal ehrlich? Und obwohl die Presse sich heute vorwiegend Heidi Klum und ihrer siebten Staffel GNTM widmen dürfte, finden wir, diese Heidi aus der Schweiz hat deutlich mehr Potenzial, unsere Seelen zu berühren.

Die Musikerin Heidi Happy aus Luzern hat nach einer bereits musikalisch geprägten Kindheit schon mit ihrem Debüalbum BACK TOGETHER, das 2007 erschien, aufhorchen lassen. Damals präsentierte sie sich noch als verspielte Folksängerin, luftig, leicht. Nach einem – wie sie selbst es bezeichnet – Übergangsalbum 2008 mit dem Titel FLOWERS, BIRDS AND HOME, ist 2012 die Zeit des kleinmädchenhaften Spielens mit Blümchen und Bienchen vorbei. Ihr drittes Album HIDING WITH THE WOLVES ist ein im besten Sinne ausserordentliches Werk.

Heidi Happy nimmt auf HIDING WITH THE WOLVES ein ganzes Orchester mit auf die Reise in ihre verwobene Klangwelten zwischen Pop, Folk und Country. HIDING WITH THE WOLVES ist kein Pop-Album im herkömmlichen Sinn, in dem ein (über)reifer Musiker endlich einmal die Vibration eines großen Orchesters unter den Fußsohlen spüren will. Die Orchesterarrangements, die ebenso wie Komposition und Texte alle aus Happys eigener Hand stammen, sind feinfühlig, zurückhaltend und man kann es nicht anders sagen: gekonnt.  Pop, Folk und charmant hüpfender Country, gehen fließend ineinander über. Mit dem gleichen unverkrampften Selbstverständnis singt Heidi Happy auch. Ihre Stimme ist mädchenhaft aber nicht vage, warm aber nicht schwülstig, klar aber nicht scharf.

Vier Monate hatte sie sich an den Schweizer Untersee zurückgezogen und in völliger Abgeschiedenheit ein Album komponiert, das sie jetzt als reife Songwriterin und ernst zu nehmende Komponistin präsentiert. Die Texte sind komplexer geworden, sie behandeln nun auch die dunklen Seiten der Liebe und die Schlaglöcher auf Wegen, die man alleine geht. Die Band, nun mit Charlie Zimmermann an der Gitarre, wurde erweitert um das Luzerner Ensemble Camerata Musica.

Nach den Aufnahmen flog Heidi Happy nach Los Angeles, um die Platte mit Andrew Scheps (Johnny Cash, My Brightest Diamond) zu mischen und von Bernie Grundman (Joni Mitchell, Willie Nelson) mastern zu lassen. An der US-Westküste produzierte sie zusammen mit ihrer Freundin Corina Schwingruber den Videoclip zur ersten Single Sarah.

Der Country scheint es der Schweizerin angetan zu haben. Im vorab erschienen Video zu „My Love Won‘t Wait For You“ sieht sie fast aus wie die schöne Bardame, in die sich all die Revolverhelden unsterblich verlieben. Im Halbdunkel stehend singt sie für die Hasenfrau, den Schlangenmann und das Mädchen mit der Taschenlampe. Am Ende liegen ihr dann all diese „ Beautiful Freaks“ zu Füßen, wie auch wir.

Und so singt sie dann, vom Warten und Vergessen. Also werden wir nun warten, warten auf „Hiding with the Wolves“. Nur vergessen können wir sie bestimmt nicht. Zum Glück

Live wird Heidi Happy das deutsche Publikum bei folgenden Shows beglücken:

09.05. Konstanz – Kulturladen
10.05. Freiburg – Swamp
11.05. Hof – Kulturkneipe
12.05. Stuttgart – Laboratorium
14.05. Karlsruhe – Jubez
15.05. Magdeburg – Moritzhof
16.05. Chemnitz – Artur
17.05. Hannover – Feinkostlampe
18.05. Offenbach – Hafen 2



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