Musik - 18.02.12 -

Famoses Album der Prog-Rocker

Shearwater – Animalische Klangfreude

Shearwater ist einer jener viel zu wenig beachteten Acts, die mich noch nie enttäuscht haben. Im Gegenteil – noch jedes Mal, seit dieses aus einem Seitenprojekt von Okkervil River entstandene Klangkollektiv sich zu einer völlig eigenständigen Band entwickelt hat, haben mich die Jungs um Jonathan Meiburg überrascht und begeistert. Mit ihrem mittlerweile siebten Album “Animal Joy” sind sie nun auf dem Höhepunkt ihrer Klangkunst angelangt und legen ein Atem beraubendes Meisterwerk vor, das den Ohrtrommler in Euphorie versetzt.

Wenn eine Band schon nach dem “Großen Sturmtaucher” benannt ist und man weiß, dass Bandleader Meiburg Ornithologie studiert hat, kann es nicht überraschen, dass die Tierwelt (wie 2011 auch schon beim sehr schönen Album “Idealistic Animals” von Dear Reader) im Mittelpunkt des ganzen Albums steht. Zumindest das Artwork trägt Züge von Brehms Tierleben. Auch der Opener namens “Animal Life” widmet sich den Geschöpfen, die in der Genesis vor uns das Licht der Erde erblickten. Apropos Genesis. Das neue Werk von Shearwater erinnert teilweise wirklich an die ganz frühen, also richtig guten Genesis – in einer zeitgemäßen und höchst eigenständigen Ausprägung. Also um es gleich auf den wesentlichen Punkt zu bringen: “Animal Joy” ist tierisch gut und übertrifft sogar den Vorgänger “Archipelago”, mit dem die Band aus Austin/Texas einen weiteren hochwertigen Nachweis ihrer kompositorischen Extraklasse ab.

Und auch das muss in diesem Zusammenhang gesagt werden: Bei allem Respekt vor Okkervil-Mastermind Will Sheff. Seit er Shearwater verlassen hat, scheinen die erst richtig ihr ungeheures Potenzial auszuschöpfen und glatt am Band-Mutterschiff vorbei zu rasen. Alles auf diesem exzellenten Album klingt nach “Mehr” – man kann nicht genug bekommen von diesem außergewöhnlichen reifen Rock, der so souverän daherkommt wie nur weniges. Schon das ist eine Qualität, die jeder Rockliebhaber zu schätzen wissen sollte. Das dramaturgisch perfekte “Insolence” ist für mich schon jetzt einer der Progressive Songs des Jahres. Auch “Open Your Houses (Basilisk)” ist schlicht wundervoll. Bei “Run The Banner Down” schließlich stehen mir Tränen in den Augen, so schön sind Shearwater diese knapp drei Minuten gelungen, die einen im perlenden Harfenklang auf Hörwolke Sieben heben. Und wie “Pushing The River” sich aufschwingt zu einem Rockbiest, ist schier brillant zu nennen.

Shearwater etablieren sich damit bei mir als derzeit beste Progressive Rockband neben Menomena. Mann, sind die gut!

shearwatermusic.com

www.myspace.com/shearwater



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