Musik - 29.01.12 -

Höchst erfreuliche Rückkehr

Penelope Houston ist wieder auf dem Markt

Acht Jahre sind es her, dass Penelope Houston ihre letzte bemerkenswerte Solovisitenkarte namens “The Pale Green Girl” abgegeben hat, bei dem sie uns mit einer berührenden Coverversion von John Cales “Buffalo Ballet” zurückgelassen hat. Seitdem haben wir die Solo-Stimme der Musikerin aus San Francisco vermisst, die zwar mit ihrer alten Punk-Band The Avengers tourt, sich jetzt aber erst richtig zurückmeldet. Am Freitag ist ihr neues Album “On Market Street” erschienen, das Houston gereift und geerdet und souverän präsentiert.

Mit Glitterhouse Records hat Houston dann auch ein kreativ bewährtes Label-Zuhause gefunden, bei dem man von vornherein mit qualitativ hochwertigen Veröffentlichungen rechnen darf. “On Market Street” ist eine solche, die Penelope Houston als Songwriterin der klassischen Art ausweist, die vor allem ihren Bob Dylan und The Band verinnerlicht hat und auch bei Bruce Springsteen und Lucinda Williams zugehört hat. Selbstverständlich ist und bleibt sie als Musikerin dabei eigenständig.

Das neue Songmaterial basiert auf einer soliden folk-rockigen Grundlage, vertraut auf die instrumentale Basis von Gitarre, Bass, Drums und starken Orgelpassagen. Die Melodien schleichen sich ins Ohr wie alte Vertraute, wobei man bei Frau Houston ja durchaus reden darf ohne despektierlich zu erscheinen. Denn immerhin zählt die jugendlich wirkende Frau mit ihren 53 Lenzen schon zu den reiferen Semestern zählt.

Alles auf “On Market Street” wirkt makellos – die Melodien, die Produktion, Houstons Gesang schließlich, dessen Reinheit eine Spur mehr Zerbrechlichkeit trägt als früher, was den teilweise mainstreamig wirkenden Songs gut tut. Gerade die ersten drei Songs leben von diesem Spannungsverhältnis aus Eingängigkeit und Eigenständigkeit. Eine besondere Stärke aus meiner Sicht bleiben die eher ruhigeren, nachdenklicheren Songs, in denen das reflexive Moment von Houstons Songwriting stärker zum Tragen kommt. Das macht den Titelsong z.B. zu einem besonderen Moment auf diesem rundum gelungenen Album. Hier knüpft Houston an das von mir sehr geschätzte Album “Cut You” aus dem Jahr, das sich durch eine perfekte Balance aus Uptempo-Songs und Balladen auszeichnet.

Auch das auf einem schweren Orgelteppich anhebende “Come Back To The Fountain” trägt diese Ambivalenz von Optimismus und Traurigkeit in sich, die sich zur nachhaltigen Houston-Hymne entwickelt. Ein Song wie ein guter Freund, mit dem man am Ufer eines Sees über das Leben philosophiert. “Winter Coats” ist der Mantel, den man diesem Freund umlegt, wenn es in der Dämmerung etwas abkühlt. Und bei “If You’re Willing” schließlich fährt Penelope das schwere Balladen-Geschütz auf, das gut zu einem schweren Rotwein passt, wenn man das Gespräch dann bis in dei frühen Morgenstunden fortsetzt. Kurzum: Ein Album, bei dem man sich gut aufgehoben fühlt.

Also, willkommen zurück auf dem Markt, Penelope.

Weitere Anspieltipps: You Reel me In, Dead Girl, Meet Me In France

www.penelope.net

www.glitterhouse.com

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