Film - 25.01.12 -

Meister der Filmkunst stirbt nach Unfall

Tiefe Trauer um Regisseur Theo Angelopoulos

Theo Angelopoulos

Theo Angelopoulos © CC flickr George Laoutaris

Eine äußerst traurige Nachricht für alle Cineasten und vor allem für Liebhaber des anspruchsvollen Kinos. Der griechische Regisseur Theodoros Angelopoulos, einer der größten Meister des modernen Melodrams ist am Dienstag den Folgen eines Unfalls erlegen, der sich im Umfeld der Dreharbeiten zu seinem neuesten Filmprojekt “Das Andere Meer” ereignet hat – einer Auseinandersetzung mit der aktuellen Finanzkrise. Pressemeldungen zufolge wurde der 76jährige beim Überqueren einer Straße nahe der Hafenstadt Piräus von einem Motorrad erfasst, erlitt schwerste Kopfverletzungen und starb in Folge derer an einer Gehirnblutung.

Das schwer gebeutelte Griechenland verliert mit Angelopoulos einen herausragenden Kulturschaffenden, dem es in jedem seiner Werke gelang, die Seele des Balkan spürbar zu machen und das Politische im Privaten zu verankern und transparent zu machen. Die vielfach prämierten Filme Angelopoulos zeichnen sich durch eine ganz eigene faszinierende Bild- und Motivsprache aus, die von gewaltigen Leinwandkompositionen geprägt sind. Eine fast magisch anmutende Melancholie durchzieht die Geschichten, die der Regisseur stets mit höchster Konzentration auf die Emotionen seiner Protagonisten und deren Lebensumstände erzählt. Mit der gebotenen Langsamkeit und Behutsamkeit, die fast als anachronistischer künstlerischer Gegenentwurf zur oberflächlichen Schnelllebigkeit unserer Zeitläufte zu lesen und zu verstehen sind.

Hochgradig politisch ist das, was der Grieche im Privaten verortet – Betroffenheit im wahrsten Sinne des Wortes charakterisiert die Figuren, die sich dem Leben in all seiner Unausweichlichkeit und Endlichkeit stellen mit der Macht des Momentum. Schauspielerische Tiefgründigkeit offenbart sich in wenigen, in wesentlichen Blicken und Gesten, im Unausgesprochenen, in den Zwischentönen. So berührt einen Bruno Ganz zutiefst in seiner Verlorenheit im wunderbaren Epos “Die Ewigkeit und ein Tag”, so fesselt einen die Spurensuche von Harvey Keitel in “Der Blick des Odysseus”, so lässt einen in “Dust Of Time” die Zeitreise von Willem Dafoe durch eine Familiengeschichte beeindruckt zurück.

Und wer je die in Traurigkeit gemeißelten Bilder von “The Weaping Meadow” gesehen hat, weiß um die unschätzbare Bedeutung von Theo Angelopoulos für ein Kino voller Sinn und Sinnlichkeit. Jede seiner Schöpfungen ist ein Meilenstein und ein Manifest des Sehens und Empfindens, kongenial musikalisch begleitet von seiner Landsfrau Eleni Karaindrou, deren Soundtracks die Vollendung dieser großen Kunst darstellen.

Angelopoulos Filme haben mir ein ums andere Mal Tränen der Rührung in die Augen getrieben. Die Nachricht von seinem Tod erst recht.

www.theoangelopoulos.com



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