Musik - 02.01.12 -

Adele – Heldin einer ganzen Industrie

UK-Musikindustrie ruscht weiter in die Miesen

Die British Recorded Music Industry kurz BPI hat die offiziellen Zahlen für Alben- und Singleverkäufe im Jahr 2011 veröffentlich. Demnach war 2011 ein Rekordjahr für digitale Verkäufe. Sowohl digitale Singles als auch Alben (+26,6 %) waren so begehrt wie nie zuvor. Dabei wurden die höchsten Umsätze mit gerade mal 15 Titeln erzielt, von denen jedes Album (weit) über 100.000 mal in digitaler Kopie verkauft wurde.

Absoluter Spizenreiter des Jahres 2011 ist Adele mit ihrem Album 21 von dem allein in UK 3,8 Mio. Kopien verkauft wurden und das die Jahrescharts souverän anführt. Mit 19 platzierte die junge Frau ein weiteres Album in der Jahresbestenliste, dieses auf Platz vier. Auf Adele allein entfallen somit rund 5 Prozent der Album-Gesamtumsätze!

Weitere Bestseller aus der Riege der britischen Künstler, die im eigenen Land für Verkaufsrekorde sorgten waren Bruno Mars (Doo-Wops & Hooligans) und Coldplay (Mylo Xyloto).

Parallel zum digialen Anstieg sanken die physischen Verkäufe um 12,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der starke Rückgang des wichtigsten Umsatzträgers machte sich auch in den Gesamtumsätzen der britischen Musikindustrie bemerkbar, die um 5,6 Prozent zurückging.

Zugleich taucht ein alter Bekannter – die Vinyl-Scheibe – wieder aus der Versenkung auf. Getreu dem Motto: “Todgesagte leben länger” hat sich auch in Großbritannien eine Fangemeinde um den schwarzen Longplayer gebildet. Mit einem Zuwachs von gigantischen 43,7 Prozent ist der Anteil der Vinyl-Alben am Gesamtmarkt mit 0,3 Prozent allerdings nur eine Liebhabernische.

Die gute Nachricht für die britische Industrie lautet: Das Album bleibt nach wie vor der beliebteste Tonträger. Fans wollen Musik im Zusammenhang und als ganzes Werk genießen. Dennoch leidet die Industrie nach wie vor massiv unter den ungebremsten illegalen Downloads. Der Chef der BPI, Geoff Taylor beklagt die lasche Haltung der britischen Regierung gegenüber der Internetpiraterie zugunsten der US-Technologie-Giganten.

“But while other countries take positive steps to protect their creative sector, our Government is taking too long to act on piracy, while weakening copyright to the benefit of US tech giants. The UK has already fallen behind Germany as a music market. Unless decisive action is taken in 2012, investment in music could fall again – a creative crunch that will destroy jobs and mean the next Adele may not get her chance to shine on the world stage.”

2012 könnte das Jahr der Entscheidung werden: Schaffen es die Konzerne und Künstler ihre Interessen gegenüber den Internetpiraten durchzusetzen? In Deutschland werden die Weichen für ein neues Urheberrecht gestellt. Wessen Forderungen letztlich jedoch Eingang in das neue Gesetz finden, ist bislang noch unklar. Wir bleiben am Ball.



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