Musik - 25.12.11 -

Toms Top-Alben des Jahres

Die herausragenden Alben 2011, Teil 1

Die Vorfreude auf das Musikjahr 2012 wächst, denn es sind bereits jede Menge Highlights avisisiert (u.a. Mark Lanegan, Lambchop, Calexico, Tindersticks, James Levy & The Blood Red Rose, das Debüt von Lana del Ray etc.). Doch zuvor wollen wir das erlesene Musikjahr 2011 Revue passieren lassen und seine üppige Quantität an erstklassiger Qualität würdigen. Zeit also, sich in die beliebten Bestenlisten einzureihen, die gerade die Runde machen.

Im Vergleich zu denen findet man beim zoolamar-Poll von Ohrtrommler Tom auch eine Reihe echter Außenseiter ganz vorne, die andere offenbar sträflich überhört haben. Einig sind wir uns allerdings mit den meisten Beurteilungen, was das Album des Jahres ist. Auch für uns besteht kein Zweifel daran, dass dieser Titel PJ Harvey mit ihrer grandiosen Heimatland-Hommage “Let England Shake” gebührt. Über alles andere lässt sich wie immer vortrefflich streiten, wozu wir gerne anregen möchten. Also Diskussion und auch Diskurs sind willkommen. Und dann jetzt unsere Top Ten der Alben – bis auf besagte Nummer 1 eine sehr sehr schwierige Wahl, weil viele der nachfolgenden Alben auf Augenhöhe sind.

PJ Harvey – Let England Shake: Ein ganz großer Wurf von Indie-Ikone Polly Jean, die ein Album von höchster Intensität und Intimität geschaffen hat, das die Melancholie ihres wunderbaren “White Chalk” mit dem aggressiven Biss ihrer frühen Alben kongenial verbindet. Dieses britische Levitenlesen ist ohne Wenn und Aber eines der bisher besten Werke des 21. Jahrhunderts – poetisch, politisch, progressiv, phänomenal!

Other Lives – Tamer Animals: Eines der vielen positiven Überraschungen des Jahres. Ein Album voll wunderbarer Wärme und Eigensinn. Sphärische Folkmusik, die schwebt und lebt und atmet. Balsam für die von Talk-Show-Gefasel verdreckten Ohren. Zum Hingeben schön!

Nicolas Jaar – Space Is Only Noise: Diese feine, filigrane Electronica-Platte ist sogar dem genreverwandten und zu Recht hoch gelobten Senkrechtstarter James Blake überlegen. Darum sollte dieser “Raumklang” besonders gefeiert werden. So viele meditative Momente hatte 2011 bestenfalls noch das famose Winter-Album “50 Words For Snow” von Kate Bush.

Bodies Of Water – Twist Again: Dieses brillante Album ist in diesem Jahr schlicht überhört worden. Die Kalifornier, die bereits mit ihren ersten beiden Platten überzeugten, veröffentlichten nahezu unbemerkt das große Indie-Pop-Alben des Jahres mit gegen den Strich gebürsteten Melodien und den subtilsten Bläsersätzen des Jahres – nachträglich entdecken bitte.

Joe Henry – Reverie: Der heimliche Gesamtgewinner des Jahres. Sein eigenes elftes Album ist absolute Meisterklasse des Songwriting auf dem Niveau von Bob Dylan mit einer Akustik-Atmosphäre von authentischer Nähe, wie man sie ganz selten erleben darf. Dazu produzierte dieser Mann weitere Klassealben wie den Blues-Überraschungscoup von “Dr. House” Hugh Laurie oder die aktuellen Juwel von Over The Rhine und Meshell Ndegeocello.

Josh T. Pearson – Last Of The Country Gentleman: Wow! Welcher Songwriter hatte je den Mut, uns 10minütige Songepen nur mit Akustikgitarre und Stimme anzuvertrauen. Und wann waren wir je so überrascht, dass uns solch intensive, intime Liebesschmerz-Litaneien derart faszinieren würden. Anbetungswürdiges Songwriting!

Duke Garwood – Dreamboatsafari: Noch so ein schmählich vernachlässigtes Kleinod der Songwriterkunst. Dem Amerikaner gelang eines der schrägsten Alben des Jahres, als hätte er den Blues durch den Fleischwolf gedreht und dazu Voodoo getanzt. Klingt wie das völlig besoffene, auf dem Heimweg versehentlich angeschossene Alter Ego von Tom Waits – bizarr brillant!

Anna Calvi -dito: Das Debütalbum 2011, das die Linie von The XX und Warpaint der Vorjahre mit anderen, aber vergleichbaren Mitteln fortführt. Dieser Gitarrentwang, dieser Gesang, diese Coolness, diese ungeheuer souveräne Präsenz von Anna Calvi  - eine Bravourleistung, die vieles erhoffen lässt. Wir sind Fans wie Brian Eno und Nick Cave.

Bon Iver - dito: Die absolute Reinheit und Schönheit in Klang gegossen. Diese akustischen Landschaftsgemälde können einen schier um den Verstand bringen. Justin Vernons Falsett und Melodien, die wie Morgennebel ins Gehör gleiten, sind ohne Makel und ohne jeden Zweifel eines der emotionalen Highlights des Musikjahres.

Scott Matthews – What The Night Delivers: Der britische Songwriter hat ein großes Herz und genau so klingt sein drittes Album. Das ist so voller Wärme und hinreißender Melodien, dass man nicht nur als weibliches Wesen förmlich dahinschmilzt. So romantisch, so zart und zugleich voller Inbrunst sind diese Lieder, dass man sich nur wünschen kann, dass die Melancholie Matthews Dauerbegleiter sein möge in den nächsten Jahren.

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