Musik - 19.11.11 -

Das Schwergewicht des Bluesrock

Popa Chubby zurück im Big Apple

Die erste Begegnung mit Popa Chubby bleibt mir unvergesslich. Es war 1998 beim Blues Festival in der Bonner Biskuithalle. Der Musiker war mir seinerzeit nicht bekannt und als nach einer Umbaupause ein Tattoo-Schrank mit Irokesenbürzel auf dem kahlen Kopf die Bühne betrat und den Sound checkte, dachte ich “Wow, was für eine Ecke von Roadie”. Doch dann drehte sich dieser vermeintliche Bühnenhelfer um und spielte urplötzlich göttlich Gitarre und begeisterte das Publikum. 13 Jahre und zahlreiche Alben später ist Popa eine feste Größe des Bluesrock. Und auch sein neues Album “Back To New York City” ist wieder eine Perle des Dicken, der die Messlatte des Genres ist.

Neben seinen beeindruckenden Fingerfertigkeiten, die mal an Jimi Hendrix, mal an Robin Trower und dann wieder an Rory Gallagher erinnern, zeichnet sich der New Yorker auch durch seine vielfältige Gestaltung des Blues mit Elementen aus Funk, Soul und Hip-hop aus, die auch auf dem neuen Album wieder zur Geltung kommt. Mit “Pound Of Flesh” gelingt ihm erneut eines der besten Bluesrock-Stücke der letzten Dekade.

Bereits 2004 hatte Chubby mit dem grandiosen “Life Is A Beatdown” vom Album “Peace, Love & Respect” ein solches Song-Meisterstück abgeliefert. Gerade bei derart herausragenden Tracks zeigt der Amerikaner immer wieder, wie druck- und zugleich gefühlvoll sein Gitarrenspiel ist. Wer den Mann noch nicht kennen sollte, darf es nicht versäumen, in seine ausgezeichnete Hendrix-Hommage “Electric Chubbyland” reinzuhören, auf der er reihenweise Jimis Songs kongenial interpretiert.

Ein anderes großes Vorbild von Popa Chubby ist Songwriter-Legende Leonard Cohen. Nach seinem Cover des Cohen-Klassikers “Halleluja” findet sich auf dem aktuellen Album mit “The Future” erneut eine vortreffliche Adaption aus dem Songbook des Kanadiers, dessen neues Studioalbum “Old Ideas” am 27. Januar 2012 erscheint.

Zurück zu Chubbys musikalischem Bekenntnis zu seiner Heimatstadt. Der Big Apple kann sich glücklich schätzen über diesen Einwohner, der mit dem Opener des Albums der Metropole seine bluesrockende Reverenz erweist. Das Album hält durchgehend dieses Niveau und reiht sich als 19. Werk nahtlos in den Katalog des Gitarristen. Weitere Anspieltipps sind die Ballade “A Love That Will Not Die” und der Uptempo-Soul “Stand Before The Sun” sowie das funkige “She Made Me Beg For It”. Und zum Abschluss beweist Popa sogar anhand der Bach-Kantate “Jesus bleibet meine Freude” seine Saitenvirtuosität. Chapeau!

www.popachubby.com

www.myspace.com/popachubbyband

Nachtrag: Hier das aktuelle Album Back To New York City als Hörprobe

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