Musik - 30.10.11 -

US-Songwriterin würdigt ihren Vater

Sarabeth Tucek – Schöne Töne von Trauer und Trost

Der Tod ist wie die Liebe ein zentrales Thema der Musik, was zumeist in einzelnen Songs Ausdruck findet. Ganze Alben als Trauerarbeit sind eher selten und noch seltener durchgehend gut. “Ash Wednesday” ist so eine Ausnahme, auf der Elvis Perkins Abschied von seiner Mutter nahm, die am 11. September 2001 Opfer der Terroranschläge wurde. Oder der großartige Schwanengesang “Black Cadillac” von Rosanne Cash, die damit ihrem Vater Johnny einen außerordentlichen Nachruf komponierte und mit “The World Unseen” einen der schönsten Songs des letzten Jahrzehnts schuf. Mit “Get Well Soon” von Sarabeth Tucek darf jetzt ein weiteres Abschiedsalbum auf hohem Niveau gewürdigt werden.

Sarabeth Tuce verarbeitet auf diesem dichten Folkrock-Album mit Americana-Anklängen den Tod ihres Vaters und lässt dabei alle Bandbreiten der Gefühle zu. Da steht trauriges neben tröstlichem, zorniges neben zärtlichem. Die Songwriterin, die bereits mit Bill Callahan auf dem Smog-Album “Supper” zusammen arbeitete und u.a. Bob Dylan als Supportact auf Tour begleitete, beeindruckt auf ihrem zweiten Album durch Reife und Souveränität. Ihre Songs haben Kraft und Würde und sind durch die Balance von Ruhe und Dynamik gekennzeichnet. Ihr Gesang erinnert an Cat Power und Karen Carpenter, der druckvolle Aufbau ihrer rockigen Nummern an Neil Young.

Die reduzierten Balladen, die von akustischer Gitarre und Tuceks Gesang geprägt sind, erinnern in ihrer Wärme und Tiefe tatsächlich an das erwähnte Meisterwerk von Rosanne Cash. Da scheint man die Betroffenheit der Künstlerin über den Verlust des Vaters regelrecht zu spüren. Dennoch ist die Traurigkeit der Amerikanerin stets mit einer Spur Optimismus verbunden, was “Get Well Soon” zu einem musikalischen Hoffnungsschimmer für alle macht, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.

Ich empfehle die Sonderedition des Albums mit der Bonus CD, auf der sich alle Songs des Albums noch einmal in Homedemo-Versionen befinden, die gerade durch ihre ungeschliffene Unmittelbarkeit das besondere Momentum der Entstehung verinnerlicht haben und dadurch besonders berühren.

www.myspace.com/sarabethtucek

sarabethtucek.com



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