Musik - 29.10.11 -

Piano, Gitarre, Stimme, Passion

Intensivstation Emotion: Peter Hammill

Gleich zu Beginn dieser CD-Empfehlung ein Warnhinweis an alle Massengeschmäckler, Fast Mood Junkies und Casting-Konsumenten. Das hier ist Kunst, fordert Aufmerksamkeit und Auseinandersetzung – also besser die ungeschulten bzw. verseuchten Ohren davon lassen. Musik-Gourmands hingegen werden mit denselbigen schnalzen, wenn sie Peter Hammill, dem britischen Songpoeten mit der einzigartigen Intensität bei seiner Passion zuhören. “PNO, GTR, VOX” sind die Live Performances schlicht betitelt, bei denen Hammill einen Querschnitt seines üppigen, hochwertigen und leider viel zu wenig beachteten Solowerks präsentiert.

Der Mastermind der Progrock-Ikonen Van Der Graaf Generator, die in diesem Jahr ihr gleichfalls exzellentes neues Album “A Grounding In Numbers” veröffentlichten, zeigt sich hier bis die beiden zentralen Instrumente seiner Kompositionen und die markante Stimme entblößt und nagt eine Auswahl seiner vielen großartigen Songs bis auf die Knochen ab. Was nicht weniger heißt als das man Ohrenzeuge der Leidenschaft Peter Hammills wird, der seine Musik nicht einfach nur spielt, sondern mit jeder Faser seines Körpers und seiner Seele lebt, nicht selten durchleidet.

Es gibt nur selten Künstler wie den am 5. November 63 Jahre alt werdenden Engländer, die ihre Auffassung von Musik so unbeirrt und konsequent, so authentisch und geradlinig verfolgt und immer wieder neu belebt haben. Das Gesamtwerk Hammills inklusive der Van der Graaf Alben beläuft sich mittlerweile auf weit über 50 Belege seiner außerordentlichen Kunst als Songwriter, die philosophisch und literarisch anspruchsvoll ist wie kaum eine zweite. Immer wieder drehen sich die Lyrics um existenzielle Fragen und die musikalischen Texturen zu diesem Gedankengut sind Emotion pur, dargeboten zwischen Flüstern und Schreien – der Ingmar Bergman der Rockmusik.

27 Songs versammelt die Doppel-CD, eine mit reinen Piano-Gesangs-Versionen (“What If I Forgot My Guitar?”), die andere ausschließlich mit Hammills Stimme begleitenden Gitarrensongs (“What If There Were No Piano?”), darunter auch zwei meiner Lieblingsballaden aus des Meisters Feder “Time Heals” und “Ophelia”. Über 2 Stunden gelingt es Hammill eine knisternde fesselnde Spannung zu erzeugen, die Ausdruck seiner leidenschaftlichen Hingabe an den musikalischen Moment ist und den Zuhörer elektrisiert, allenfalls das nach ähnlichem Muster der Reduktion auf das Wesentliche basierende “Fragments Of A Rainy Season” von John Cale (Ex-Velvet Underground) reicht da heran.

Mehr Herbst kann in Musik nicht stecken – die hohe Schule der Schwermut entdecken!

peterhammill.com

www.sofasound.com

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