Musik - 09.07.11 -

Klangmagier trifft Wortartist

Poetische Musik-Mantras – Brian Eno/Rick Holland

So gut und wichtig Veränderungen im Leben sind, es gibt auch Konstanten, die immer währende Freude garantieren. Vor allem, wenn sie wie im Falle von Brian Eno ein steter Quell der Erneuerung sind. Eno ist ein Garant für spannende Sounds im Spannungsfeld von Rock, Elektronik bis Ambient und durchlebt offenbar gerade eine neue schöpferische Hochphase. Nur wenige Monate nach der feinen Klangästhetik von “Small Craft On A Milk Sea” ist die Kooperation des Briten mit dem Poeten Rick Holland unter dem Titel “Between The Bells”, ein erneutes A-Ha-Erlebnis in Sachen Klangdesign.

40 Jahre lang ist Brian Peter George St. John le Baptiste de la Salle Eno nun schon eine verlässliche Größe außergewöhnlicher Musik, vom exzentrischen Beginn seiner Karriere bei Roxy Music, denen er insbesondere auf dem Ausnahmewerk “For Your Pleasure” seinen Stempel aufdrückte über 801 (noch heute ist “Baby’s On Fire” einer meiner Lieblingssongs) und viele weitere ambitionierte Kollaborationen mit Koryphäen wie David Bowie, Robert Fripp (King Crimson) oder David Byrne (Talking Heads) bis hin zur Erfindung der Ambient Music auf Atem beraubend hohen Niveau. Auch auf dem neuen – und wie sollte es anders sein – innovativen Werk zieht dieser Brian Eno einmal mehr alle Register seines Könnens.

Brian Eno – bless this space (taken from Drums Between The Bells) by Warp Records

Wie der feinsinnige Musiker und Soundtüftler auch hier wieder das passende Design für die lyrischen Texte von Rick Holland – rezitiert von ganz normalen Menschen wie Du und Ich – findet, ist einzigartig. Mal elektronisch vibrierend, mal auf kargste Pianoklänge reduziert, überführt Eno hier Poesie auf eine meditative Ebene. Solch tranceartige Faszination gelingt sonst nur noch David Sylvian und Scott Walker. Je mehr man sich auf diesen lyrisch-musikalischen Trip einlässt desto mehr hört man zugleich die Komplexität und inhaltliche Tiefe dieses Albums wie seine ungeheure Leichtigkeit auf der klanglichen Ebene.

Brian Eno – pour it out (taken from Drums Between The Bells) by Warp Records

Brian Eno schafft einen zentralen Ort für das vertonte Wort und erschafft damit einen kulturellen Kosmos. Selbstredend verbietet sich, einen der 16 Tracks hervorzuheben, weil Werke wie diese nur in ihrer Gesamtheit ihre ganze magische Kraft entfalten.

Brian Eno ist einer der großen Audio-Künstler unserer Zeit, den man nicht missen möchte. Superb!

brian-eno.net/drums-between-the-bells

www.myspace.com/ambientlegend

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