Apps & Gadgets - 08.07.11 -

Schöne neue Welt

Google Plus: Der große Frust mit dem kleinen Plus

Google Plus SperrhinweisErst gestern hatte ich geplant, einen Artikel zur Funktion von Anonymität im Social Web zu schreiben, da sperrt Google Plus schon die ersten Nutzerprofile. Betroffen sind davon sowohl Phantasienamen, Blogs (wie gluseins), Unternehmensseiten aber auch Verlagsangebote und sogar reale Namen, bei denen Google Plus nicht erkannt hat, dass es sich um “echte” Namen handelt.

Eigentlich dürfte sich darüber niemand beschweren, da Google Plus die Verwendung seines Dienstes in den Nutzerbedingungen ausschließlich unter Klarnamen vorsieht. Schließlich will das Unternehmen keine Spamflut in seinen ‘Kreisen’.

Wenn es dann aber auch Personen wie den Buchhändler und Antiquar Tobias Wimbauer trifft, wird jedoch klar, dass Google Plus hier noch viel Nachbesserungsbedarf hat.

Wimbauer schreibt in seinem Blog dazu:

Ein paar Tage dabei und schon bin ich gesperrt. Warum weiss ich nicht. Mein Name stimmt. Wahrscheinlich wollte man nur mal meinen Ausweis sehen (den sollte ich nämlich zum Entsperren als JPG hochladen).

Tobias Wimbauer gesperrt bei Google Plus

Wimbauer, der gut vernetzt ist, wandte sich via Twitter an den Pressesprecher von Google Deutschland Stefan Keuchel, der aber zur Aufklärung des Phänomens auch nichts Substanzielles beizutragen hatte.
Twitterdialog Wimbauer - Goolge Pressesprecher Keuchel

Google Plus hat mit seinem Konzept der Kreise (Circles) ein durchdachtes Abbild unseres tatsächlichen sozialen Verhaltens vorgelegt. Wir haben Freunde, Familie, Arbeitskollegen, entfernte Verwandte, Leute, die wir nur kennen, weil sie was können, das uns interessiert. Wir haben Vereinskollegen, Nachbarn und natürlich Geschäftskontakte aller Art. Mit den einen teilen wir unsere geheimsten Gedanken, mit den anderen Kongresstermine, einen Artikel in der FAZ oder im Metal Hammer.

Während das bei Facebook zwangsweise alles ineinander läuft, bietet Google Plus eine feinsäublerliche Trennung nach Themen, Nähe und Distanz an. Das ist prima und etwas, worauf viele Facebook-Nutzer schon lange gewartet haben, denn  Facebook-Gruppen sind hier vergleichsweise zu kompliziert.

In dieser schönen neuen Social-Web-Welt, die so präzise unsere reale Lebenssituation abbildet, stellt sich jetzt nur die Frage nach der Datensicherheit. Nein, es geht hier nicht um Hysterie. Wir wissen, dass wir pausenlos unsere Spuren im Web hinterlassen. Wir tun das bewußt und nicht immer ungern. Aber bislang konnte jeder sein inneres Selbst auf mehrere Identitäten aufsplitten und auf Twitter und Co. ausleben. Für den einen als “Wolkenfrau” für den anderen als “Uarr” in Erscheinung zu treten (Nein, das sind nicht die Profile ein und der selben Person !) ist eine ungeheuere Befreiung.

Wenn wir nun, wie Google das fordert, sogar unseren Personalausweis in den sozialen Netzen hinterlegen sollen – unsere E-Mail-Adresse, Handynummer und Kontodaten haben sie ja meist schon, weiß Goolge in der Tat mehr über uns, als jede Behörde, jeder Arbeitgeber und als die meisten unserer Freunde allemal.

Ich habe keine Lösung für dieses Problem anzubieten. Denn hier gilt das Gesetz des längeren Hebels. Google und Facebook entscheiden, was sie mit unseren Daten und Informationen machen. Wir haben jedoch zu entscheiden, wieviel wir von uns preisgeben. Auf die Gefahr hin, nicht in allen Kreisen mitmischen zu können.

PS: Wie haltet Ihr es mit den sozialen Profilen? Seid Ihr bei Facebook & Co. immer ganz Ihr selbst?

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2 Kommentare zu “Google Plus: Der große Frust mit dem kleinen Plus”

Bätschman am 15. Juli 2011 11:51

Die Lösung heisst eine eigene Seite erstellen (Blog oder statische Seite) und mit den Daten sehr sparsam umgehen. Dann verzichtet man auf viele Annehmlichkeiten der SN aber die Daten sind rechtlich bei einem selber und man ist nur sich selber bzw. minimal seinem Provider verpflichtet.
Dazu gehört aber sich in die Thematik einzulesen. Ein einfaches Klicken wie bei Facebook und Co. funktioniert nicht mehr.

mfg
Bätschman

Peter Dargatz am 14. Juli 2011 15:21

Datensicherheit – wo gibt es sowas? Gar nicht!
man bekommt doch sämtliche Daten legal gegen Endgeld und dann gibt es da noch eure Handyverträge mit allen Daten und Nutzerprofilen. Dein Supermarkt und die Tanke haben deine Daten nach Kartenzahlung und überall sitzen Menschen den man TOTAL vertrauen kann. Den Ausweis als Kopie einzureichen ist schon heftig aber wenn man den bei der Nummer schwärzt ist es nichts anderes als was schon über Facebook von euch und euren Freunden veröffentlicht wird. 99,9 % verstoßen dabei gegen Copyrights und es interessiert keinen. Das ganze Social Networking wird uns noch derbe auf die Füße fallen aber ich hoffe das ich das nicht mehr erlebe. Die Versuchung ist zu groß um ihr zu widerstehen.

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