Schöne neue Welt
Google Plus: Der große Frust mit dem kleinen Plus
Erst gestern hatte ich geplant, einen Artikel zur Funktion von Anonymität im Social Web zu schreiben, da sperrt Google Plus schon die ersten Nutzerprofile. Betroffen sind davon sowohl Phantasienamen, Blogs (wie gluseins), Unternehmensseiten aber auch Verlagsangebote und sogar reale Namen, bei denen Google Plus nicht erkannt hat, dass es sich um “echte” Namen handelt.
Eigentlich dürfte sich darüber niemand beschweren, da Google Plus die Verwendung seines Dienstes in den Nutzerbedingungen ausschließlich unter Klarnamen vorsieht. Schließlich will das Unternehmen keine Spamflut in seinen ‘Kreisen’.
Wenn es dann aber auch Personen wie den Buchhändler und Antiquar Tobias Wimbauer trifft, wird jedoch klar, dass Google Plus hier noch viel Nachbesserungsbedarf hat.
Wimbauer schreibt in seinem Blog dazu:
Ein paar Tage dabei und schon bin ich gesperrt. Warum weiss ich nicht. Mein Name stimmt. Wahrscheinlich wollte man nur mal meinen Ausweis sehen (den sollte ich nämlich zum Entsperren als JPG hochladen).

Wimbauer, der gut vernetzt ist, wandte sich via Twitter an den Pressesprecher von Google Deutschland Stefan Keuchel, der aber zur Aufklärung des Phänomens auch nichts Substanzielles beizutragen hatte.

Google Plus hat mit seinem Konzept der Kreise (Circles) ein durchdachtes Abbild unseres tatsächlichen sozialen Verhaltens vorgelegt. Wir haben Freunde, Familie, Arbeitskollegen, entfernte Verwandte, Leute, die wir nur kennen, weil sie was können, das uns interessiert. Wir haben Vereinskollegen, Nachbarn und natürlich Geschäftskontakte aller Art. Mit den einen teilen wir unsere geheimsten Gedanken, mit den anderen Kongresstermine, einen Artikel in der FAZ oder im Metal Hammer.
Während das bei Facebook zwangsweise alles ineinander läuft, bietet Google Plus eine feinsäublerliche Trennung nach Themen, Nähe und Distanz an. Das ist prima und etwas, worauf viele Facebook-Nutzer schon lange gewartet haben, denn Facebook-Gruppen sind hier vergleichsweise zu kompliziert.
In dieser schönen neuen Social-Web-Welt, die so präzise unsere reale Lebenssituation abbildet, stellt sich jetzt nur die Frage nach der Datensicherheit. Nein, es geht hier nicht um Hysterie. Wir wissen, dass wir pausenlos unsere Spuren im Web hinterlassen. Wir tun das bewußt und nicht immer ungern. Aber bislang konnte jeder sein inneres Selbst auf mehrere Identitäten aufsplitten und auf Twitter und Co. ausleben. Für den einen als “Wolkenfrau” für den anderen als “Uarr” in Erscheinung zu treten (Nein, das sind nicht die Profile ein und der selben Person !) ist eine ungeheuere Befreiung.
Wenn wir nun, wie Google das fordert, sogar unseren Personalausweis in den sozialen Netzen hinterlegen sollen – unsere E-Mail-Adresse, Handynummer und Kontodaten haben sie ja meist schon, weiß Goolge in der Tat mehr über uns, als jede Behörde, jeder Arbeitgeber und als die meisten unserer Freunde allemal.
Ich habe keine Lösung für dieses Problem anzubieten. Denn hier gilt das Gesetz des längeren Hebels. Google und Facebook entscheiden, was sie mit unseren Daten und Informationen machen. Wir haben jedoch zu entscheiden, wieviel wir von uns preisgeben. Auf die Gefahr hin, nicht in allen Kreisen mitmischen zu können.
PS: Wie haltet Ihr es mit den sozialen Profilen? Seid Ihr bei Facebook & Co. immer ganz Ihr selbst?


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Tönendes Poesialbum















