Nachruf auf einen Einzigartigen
Peter Falk ist tot – Columbo ist unsterblich

Peter Falk als Columbo
Ich war noch ein Junge, als ich diesen unvergleichlichen Detektiv mit dem zerknitterten Trenchcoat und der zumeist erkalteten Zigarre in der Hand zum ersten Mal über den Bildschirm schlurfen sah, die mich zugleich staunen und schmunzeln machte.
Vom ersten Augenblick an habe ich diesen Inspektor Columbo ins Herz geschlossen und die Bewunderung, Verehrung und Zuneigung zu dieser listigen und liebenswerten Figur und damit für den großartigen Darsteller Peter Falk wird nicht enden über dessen gestrigen Todestag hinaus. Denn Columbo und Falk waren unzertrennlich und einer hat den anderen unsterblich gemacht.
Wann hat es je eine TV-Figur gegeben, die so originell und individuell war? All diese liebenswerten kleinen Rituale (Ich hätte da noch eine Frage, das Kramen nach dem Notizbuch oder einem Schreibgerät, die kleinen Details für den Chef) und Marotten (die Suche nach einem Aschenbecher, die Frage nach einem Kaffee, das Entsorgen von Eierschalen etc.), seine “Familienmitglieder”, die immer anwesende und doch stets unsichtbare Frau, der störrische, aber innig geliebte “Hund” und der bis zum Auseinanderbrechen treue Peugeot 403.
Erstaunlich auch, wie das persönliche Schicksal Peter Falks, schon als Kind durch einen Tumor ein Auge verloren zu haben und ein Glasauge tragen zu müssen, sich für diese Rolle seines Lebens noch positiv auszahlte, weil das seinem Gesichtsausdruck diese geniale Mischung aus Vertrottelung und Verschmitzheit gab, die jeden Täter diesen Kriminalisten unterschätzen ließ. Ein Detektiv, der zugleich durch das Hineinversetzen in die Leben der von ihm Gejagten zum ersten TV-Profiler wurde. Seine Dienstwaffe gebrauchte dieser Columbo so gut wie nie und wenn dann nur, weil er sie für ein ballistisches Experiment brauchte oder weil er von der Dienstaufsicht zum vernachlässigten Probeschießen aufgefordert wurde.
Peter Falk war in der Rolle seines Lebens in der glücklichen Lage, dank der exzellenten Drehbücher der Columbo-Erfinder Richard Levinson und William Link jeden seiner insgesamt 69 Fälle mit Köpfchen zu lösen und bei besonders hartnäckigen und überheblichen Tätern auch mit der einen oder anderen genialen List. Das war immer das hoch spannende und zugleich entspannende an dieser Serie, dass sie das Thema Gewalt mit der Tat zu Beginn abhandelte und sich dann auf die ruhige gewitzte Art der detektivischen Arbeit des Protagonisten konzentrierte, der dem Täter am Ende immer die verblüffende Auflösung präsentierte, mit der er ihn wider Erwarten überführte.
Gelegentlich kam es sogar vor, dass er Tätern, die aus nicht ganz so niederen Motiven wie Habgier oder Eifersucht töteten, sondern aus Liebe, Hingabe und Freiheitsdrang, eine gewisse Sympathie und Mitgefühl entgegenbrachte. So etwa der Schriftstellerin Abigail Mitchell, dem Weinproduzenten Adrian Carsini oder dem Countrysänger Tommy Brown, verkörpert von Ruth Gordon (Harold and Maude), Donald Pleasance (Halloween) und Johnny Cash. Die Ernte für Peter Falk: vier Emmys, 1 Golden Globe und zahlreiche weitere Award-Nominierungen.
Darüber nicht vergessen werden darf, dass Peter Falk auch vor Columbo ein Schauspielerleben hatte, das ihn gleichfalls als exzellenten Darsteller auswies. Zwei Oscar-Nominierungen binnen zwei Jahren (1960, 1961) erhielt Falk für seine Nebenrollen in “Unterwelt ” und “Die unteren Zehntausend”. Seine Freundschaft mit John Cassavetes und dessen Frau Gena Rowlands brachte ihm weitere anspruchsvolle Charakterrollen in “Ehemänner” und “Eine Frau unter Einfluss” ein. Unvergessen bleibt auch sein Auftritt in Wim Wenders “Der Himmel über Berlin”, wo er sich selbst spielte.
Als Kultfigur und Legende aber ist Peter Falk untrennbar mit Columbo verbunden, den er in der köstlichen und bestbesetzten Who is Who-Krimifarce “Eine Leiche zum Dessert” sogar einmal herrlich persiflierte. Ich weiß nicht, wie oft ich Columbo seit meiner erste Begegnung mit ihm im Wohnzimmer meiner Eltern mittlerweile gesehen habe. Und noch bei keiner der unzähligen Wiederholungen ist mir dieser sympathische Mann lästig oder langweilig geworden. Und das ist eine ganz besondere Qualität, macht die Einzigartigkeit dieser Rolle und der schauspielerischen Vereinnahmung deutlich.
Peter Falk starb am Donnerstag im Alter von 83 Jahren an einer Demenzerkrankung. Ich werde ihn vermissen, mir immer wieder ansehen und für immer verehren.
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