Musik - 14.05.11 -

Analoges Klangkino von Danger Mouse und Daniele Luppi

Spiel mir das Lied von Rome

Was für eine Verbeugung vor Ennio Morricone und seinen unsterblichen Filmmusiken. Produzentenfeinfinger Danger Mouse aka Brian Burton und der italienische Filmkomponist Daniele Luppi haben mit “Rome” gemeinsam ein Albumwerk geschaffen, dass den Morricone-Soundtracks zu “Spiel mir das Lied vom Tod” und “Zwei glorreiche Halunken” huldigt und voller Besonderheiten steckt. Angefangen bei der rein analogen Aufnahme ohne digitaltechnischen Schnick und Schnack bis hin zu den Gastsängern Jack White (The White Stripes, The Raconteurs, The Dead Weather) und Norah Jones.

Eine Herzensangelegenheit offenbar wie bereits das Cover andeutet, ist dieses großartige Pop-Opus (aktuelle Album des Monats beim deutschen Musikexpress), das den Klassikern der Filmmusik in aller gebotenen Würde und Klasse seine Reverenz erweist. Fünf Jahre haben Burton und Luppi an dem Projekt gearbeitet und ihren Hang zur Perfektion dabei auf die Spitze getrieben. Sie buchten das legendäre Ortophonic Studio in Rom, in dem der legendäre Ennio Morricone seinerzeit höchstselbst arbeitete, suchten sich passendes Equipment aus den Sechziger und Siebzigern und nahmen live auf Band jene Songs auf, die “Rome” jetzt adeln. Zwei Goldgräber, die glänzende Nuggets zutage gefördert haben.

Der genialische Danger Mouse, der zuletzt in Kooperation mit Sparklehorse und dem gemeinsamen Projekt “Dark Night Of The Soul” einen Überraschungscoup landete, und der renommierte Star-Komponist Daniele Luppi (“Nine”, “Sex And The City”) erschaffen eine 35minütige Klangkulisse, die so altmodisch wie modern ist, in der das gute alte Gladiatoren-Ruinen-Rom kurzerhand in die Cinecitta-Westernstadt verwandelt wird mit dem Musik-Marshall Jack White und der Saloondame Norah Jones in den Hauptrollen, von den beiden Musik-Regisseuren prächtig in Szene gesetzt.

Mit jedem Song taucht ein anderer Sergio Leone Charakter vor dem inneren Prärieauge auf: Doch ob Charles Bronson, Henry Fonda, Jason Robards, Claudia Cardinale, Clint Eastwood, Lee van Cleef oder Eli Wallach, alle reiten friedlich durch die Gehörgänge. Denn hier fällt kein störender Schuss, in diesem Westen ist nichts wild, sondern alles höchst harmonisch. Jack White erweist sich bei dieser Gelegenheit wieder einmal als einer der grandiosesten Musiker der Neuzeit und fügt sich als Sänger perfekt in die Vorlage der beiden Komponisten. Als große Überraschung erweist sich zudem Norah Jones, die hier Ecken und Kanten zeigt, die man so bisher nicht von ihr kannte und von denen man sich in Zukunft auch mehr bei ihren Soloprojekten wünscht.

Bei NPR kann man das gesamte Album in der Kategorie “First Listen” derzeit komplett anhören. Am Stück empfiehlt sich. Nächste Woche kommt “Rome” offiziell in den Handel. Unsere Empfehlung: Unbedingt zugreifen!

romealbum.com

www.npr.org

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