Film - 27.02.11 -

Poetisches Doku-Meisterwerk

Wahrhaftige Widmung – Wim Wenders wundervolle “Pina”

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Es geschieht nur äußerst selten, dass unmittelbar nach Filmende im Zuschauerraum eines Kinos spontan Applaus aufbrandet und niemand den Ort verlässt ehe der letzte Titel des Abspanns im Leinwandweiß verloschen ist. Wim Wenders gelingt beides mit seiner zugleich kraftvollen und zarten Hommage an die große Pina Bausch, einer hoch poetischen und intensiven künstlerischen Verneigung vor einer schöpferischen Visionärin, vor einer grandiosen Lehrerin dessen, was im doppelten Sinne bewegt – die Künstler und ihr Publikum.

Wim Wenders schaftt mit seinem jüngst auf der Berlinale außer Konkurrenz vorgestellten und umjubelten Film für Pina Bausch, mit der er lange Jahre befreundet war und das Projekt noch gemeinsam geplant hatte, ein kleines Wunder. Denn er lässt mittels 3D-Optik und im öffentlichen Raum inszenierten tänzerischen Grüßen der Ensemblemitglieder an ihre Mentorin, Motivatorin und vor allem menschliche Begleiterin über den Tod hinaus die ganze Faszination des Tanztheaters Wuppertal und ihrer spirituellen Rektorin lebendig werden.

Wenders macht die Leinwand zur Bühne einer leidenschaftlichen Arbeiterin am menschlichen Ausdruck und schafft es mit seiner sensiblen liebe- und respektvollen Inszenierung die weltberühmte Choreographin vom ersten bis zum letzten Bild, in jeder Bewegung, jeder Geste, jedem Ton anwesend sein zu lassen. Als wachender und weiter wirkender Erzengel all der Engel, wie sie ihre Tänzer selbst zu Lebzeiten liebevoll und wertschätzend bezeichnet hat.

PINA – Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren – Deutscher Trailer from neueroadmovies on Vimeo.

“Pina” ist sinnlich, Sinn stiftend, intensiv, mitreißend, berührend und zutiefst menschlich, weil er transparent macht, wie diese Frau ihre Schützlinge im wahrsten Sinne des Wortes entfesselt hat, befreit zur völligen Hingabe an ihr Tun. Wim Wenders gelingt es, durch die dichte Mischung aus choreographischen Originalszenen, im Wuppertaler Umfeld frei gestalteten und oft bildgewaltigen Tanzszenen sowie den kurzen persönlichen Erinnerungsporträts der Ensemblemitglieder ein magisches Kaleidoskop der darstellenden Künste und darüber hinaus zu entwerfen.

Wenders macht die Bedeutung und Wirkung von Kunst poetisch, plastisch und nachhaltig anschaulich und die visionäre Kraft von Pina Bausch selbst erlebbar, erfühlbar, diese einzigartige Aura der stillen konzentrierten Revolutionärin der Emotions-Expression, die in jedem einzelnen Mitglied des Wuppertaler Tanztheaters weiterlebt und durch die Augen des Regiefreundes endgültig unsterblich wird. “Pina” ist also ein großartiges Kunstwerk über die Kunst selbst, ihre schöpferische Kraft, über Entwicklung und Entfaltung des Menschen im Kontext künstlerischer Prozesse. Ein Kunstwerk, das ich mir auf der nächsten documenta 13 im nächsten Sommer in Kassel wünsche. Ein Kunstwerk, von dem ich hoffe, dass es bei der nächsten Oscar-Verleihung 2012 als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wird

Ansehen! Ansehen! Ansehen! Weiter empfehlen! Solche archaischen Momente ursprünglicher Gestaltungskraft voller Tiefe und Wahrhaftigkeit sind rare Kostbarkeiten umfassender Freude und Beglückung.

Verneigung vor allen Beteiligten, eingeschlossen die zahlreichen Musiker, deren Kompositionen zur Vollendung dieses Meisterwerks beigetragen haben. Bleibt allein noch der Wunsch nach einem vollständigen Soundtrack, den es bisher leider nicht gibt.

www.pina-film.de

www.wim-wenders.com

www.pina-bausch.de

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