Aktion - 26.02.11 -

So fechten nur echte Helden

Judith Holofernes vorBILDliche Hiebe

By nothing day - Beispiele der Adbusters für Markenschelte

Logos von Adbusters

Dass Judith Holofernes von Wir Sind Helden im positiven Sinne eine begnadete Maulfechterin ist, beweisen nicht nur ihre intelligenten Liedertexte, sondern auch ihre gelegentlichen Auftritte in TV-Gesprächsrunden, bei denen sich die 34jährige stets als eine äußerst scharfsinnige, wortgewandte Frau mit politischem Durchblick und kritischer Haltung gegenüber Machtstrukturen bewiesen hat. Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet Deutschlands Vorzeige-Werbeagentur Jung von Matt, die sich ähnlicher Intelligenz rühmt, in der aktuellen BILD-Affäre so dumm, überheblich und vor allem dermaßen schlecht informiert agiert hat.

Hätten die Verantwortlichen bei Jung von Matt – wie es zur wesentlichen Basisarbeit jeder Kommunikation gehört – gründlich über die Band und Judith Holofernes recherchiert, wären sie gar nicht erst auf die Idee (die sie ja offensichtlich großartig fanden) gekommen, Wir sind Helden überhaupt als Promi-Testimonial für die Werbekampagne der BILD anzufragen. Denn dann hätten sie zwangsläufig auf Interview-Material stoßen müssen, das unmissverständlich deutlich gemacht hätte, dass diese Band und ihre Frontfrau sich nun wirklich nicht in Kontext mit einem Pfauenauftritt wie dem von Til Schweiger oder Pseudo-Kritik von TV-Dauer-Betroffenheits-Vorspieler-Werbegeld-Absahner Johannes B. Kerner sehen geschweige denn stellen.

Noch peinlicher für Deutschlands Kreativ-Agentur Nummer 1 jedoch ist, dass offenbar niemand im Hamburger Marketing-Mekka wusste, dass Holofernes auf diesem Feld eine Fachfrau ist, die – wenn auch abgebrochen – Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert, sich mit Konsumkritik auseinander gesetzt und dazu noch für Adbusters engagiert hat – Kommunikationsguerillas, die in sozialen Medien Markenkritik im öffentlichen Raum betreiben und gegen jene Art von Werbung agieren, die diese Aktivisten als visuelle Umweltverschmutzung betrachten.

MeinungsBILDung erlaubt?

Umso grandioser die spontane Aktion von Judith Holofernes, die Agentur und die BILD-Zeitung mit den eigenen Mitteln zu schlagen und für diese Unsäglichkeit eine Öffentlichkeit herzustellen und Klartext zu reden. Das war und ist aktuell eine der herausragendsten kritischen Stellungnahmen und Entlarvungen hinsichtlich des Bewusstseinszustands in unserer Gesellschaft, in der die Mächtigen das Prinzip der Volksverdummung systematisch strategisch nutzen, um jede Form von möglichem und längst überfälligem Widerstand der ins Präkariat und Migrantentum exilierten, isolierten und von geistesumnachteten angeblichen Vordenkern wie Thilo Sarrazin oder Hans-Werner “Un”Sinn denunzierten Bevölkerungsgruppen erst gar nicht aufkeimen zu lassen.

Danke Judith Holofernes für diesen Akt der Aufrichtigkeit, des Trotzes und Widerstands als deutliches Zeichen von Haltung. Niemand hat dem BILD-Slogan “Bild Dir Deine Meinung” jemals so authentisch zugleich entsprochen und widersprochen wie Judith Holofernes. Wenn Ihr Helden jetzt noch 20.000 Euro für einen wohltätigen Zweck spendet, dann führt ihr die BILD-Werbung noch weiter ad absurdum und treibt zugleich den Promi-Preis für die Bild-Kampagne hoch. Das wäre dann ein weiterer feiner Seitenhieb, der richtig weh tut, weil er an das geht, was diese selbsternannten Alphatiere am meisten trifft – ans Geld und ans Ego.

P.S. Eine bessere, effizientere und kreativere Werbung für Wir sind Helden hätten eben selbst die Gurus Jung von Matt mit all ihren Trojanischen Pferden nicht hinbekommen. Denn Holofernes Hiebe sind einfaches und wirkungsvolles Guerilla-Marketing at its best!

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