Musik - 19.02.11 -

Inas heiße und weniger heiße Nächte

Mannstoll? Nein Frau toll! Ina Müllers Bubensolo

13 kleine Männerlein, die teilten Inas Nacht, jetzt hat die große Müllerin ein Album draus gemacht. Des Autors Abzählreim als Einleitung zur Rezension von ”Das wär dein Lied gewesen”. Der dritte hochdeutsche Streich der quirligen, schlagfertigen Schönen aus Hamburg sitzt musikalisch und textlich genauso wie die beiden ersten und gewährt zudem Einblick in Ina Müllers Männerwelt, in der sie mal total verknallt ist oder im anderen Extrem einen gewissen Kerl nicht mal zwei Zeilen wert nennt.

Jedenfalls hat jetzt jeder der 13 Besungenen eine persönlichen Widmung von Ina, Versager inklusive. Der Alles-So-La-La-Loser in der Reihe von Inas Auserwählten wird dann auch gleich zu Beginn im Titellied abgefertigt, damit es ab dann nur besser werden kann. Und gleich wird klar, dass Ina auf dem von ihr bekannten Niveau weitermacht. Die von ihr mit Frank Ramond entwickelten Texte und die Kompositionen von Alexander Zuckowski harmonieren wieder prächtig. “Die Nummer” belegt das mit lässigem Swing, zu dem Ina über die letzte Liebesnacht sinniert, eine offenbar geile Nummer, die sie alle anderen Nummern von Schuhgröße bis Bank-Pin vergessen lässt. Schön frech ohne auch nur ansatzweise peinlich zu sein – höchstens für Prüde, aber die hören Ina ja ohnehin nicht, oder?

Süffisanz vom Feinsten bietet “Ja ich will”, das einen Lebensabschnittsgefährten eindringlich mahnt, keine Heiratsanträge mehr zu machen. Fabelhaft pointiert getextet mal wieder und im satten Rhythm and Blues-Modus angelegt – die Optimal-Kombi für Inas Stimme und Ausstrahlung. Aber die Sängerin kann nicht nur Seitenhiebe verteilen, sondern auch nachtrauern wie auf “Fast drüber weg”, einem Liebeslied, auf dem das Liebesleid seine uns vertrauten Irrwege und Abschiede geht. Klasse das Reggae-Feeling von “Paparazzia” mit dem ironischen Text, in dem die PR-Geilheit von Prominenten vorgeführt wird. Die Satire-Variante zu Max Raabes “Nur wegen Dir bin ich hier”, der auf seinem aktuellen Album “Küssen kann man nicht alleine” aus ähnlichem Setting ein sehr schönes Liebeslied macht. Im Moment sind wir wirklich verwöhnt von solch liebenswertem deutschem Lied-Gut.

Ina_Müller_Foto_Mathias_Bothor_c_105_Music_GmbH

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Danach bekennt sich Ina zum jüngeren Mann und seinen Vorzügen aus der Sicht einer Mittvierzigerin, die das Gejammer gleichaltriger Kerle offenbar satt hat. Sei ihr gegönnt dieses neue Kuscheltier, zumal ihre Wahl mit dem deutschen Songwriter Johannes Oerding (aktuelles Album “Boxer“) so exquisit ist wie die ihrer Gäste bei Inas Nacht. Wahrscheinlich hat es zwischen den beiden gefunkt, als sie mit ihrem neuen Prinzen genau dort im Schellfischposten Oerdings Liebeslied “Ich will dich nicht verlier’n” im Duett gesungen hat.

“Gleichberechtigung” ist dann genau das richtige Lied zur richtigen Zeit, in der über die Frauenquote diskutiert wird. Hier führt Ina gleich mal die chauvinistischen Exemplare der männlichen Gattung vor, die immer für die Gleichberechtigung sind, solange sie selbst keine Zugeständnisse machen müssen. Auf den Punkt. “Gar nichts gepeilt” holt Ideale vom Sockel und stellt fest, dass Frau selbst mit der schönsten Prinzen-Traumvorstellung das Herz nicht überlisten kann, wo echte Gefühle gefragt sind.

“Immer wenn ich Brit popp, hören wir Oasis” ist eine der köstlichsten Zeilen des Albums und zerlegt auf “Britpop” einen in der Vergangenheit lebenden Jammerer, der wohl nie mehr in der Gegenwart ankommt. Ina lüftet für uns Männer auch das Geheimnis des Mysteriums der “Handtaschen” im zackig hochhackigen Rhythmus mit bluesig angelegtem Gitarrensolo. Auch die Gefahren von Beziehung werden hier nicht verschwiegen. Wie zu große Vertrautheit, Sicherheit und Langeweile den Wunsch nach “Fremdgehen” aufflammen lassen können, in diesem klugen Lied schönerweise mit dem eigenen Partner, um ihn neu und wieder begehrlich spüren zu können. Sehr gelungene Ballade über Sehnsucht mal anders.

Die Verwandlung von 68ern in IT- und Media-Mutanten zeichnet “Podkarsten” nachvollziehbar kritisch. Musikalisch der facettenreichste Song des Albums, textlich eine subtile Kritik an den Internet- und Blackberrey-Gesteuerten dieser Welt, die nur noch an den Oberflächen der Technik leben. Also alle, die mal “Payback” von Frank Schirrmacher lesen sollten, um zu begreifen das die wahren Mächtigen des digitalen Zeitalters die Unerreichbaren sind. Der Reigen der Lieder endet mit der Uptempo-Ballade “Wenn du das erträgst” gibt Ina die Gelegenheit, den letzten Vergangenheitsrost aus der Reibeisen-Stimme zu spülen, um für Album Nummer Vier ganz frisch verliebt bei Stimme zu sein. Könnte ja durchaus ein Duett-Album mit Johannes werden, dessen Album “Boxer” beweist, dass die beiden auf jeden Fall musikalisch und lyrisch gut zusammen passen.

Fazit: Ob kurzer Flirt, Schmetterlinge im Bauch oder Adieu Tristesse, auf “Das wär Dein Lied gewesen” werden von Track 1 bis 13 reichlich Amors Pfeile verschossen, Liebhaber verflossen und Tränen vergossen und all diese Ambivalenzen in perfekter Balance. Die große Stärke ist und bleibt Inas Power und Feingefühl und sich damit ganz in jeden Song einzubringen, gepaart mit gut darauf abgestimmter und melodischer Stilfalt.

Vor allem leben Inas Männerwelten aber auch von der fabelhaften Sprachbeherrschung und Wortgewandtheit von Frank Ramond, dem es stets gelingt, Inas Innenwelten verbal nach außen zu tragen und das Alltägliche, Gewöhnliche durch genaue Bebachtung und sensible Darstellung zum Außergewöhnlichen werden zu lassen, an dem man als Zuhörer nachvollziehbar teilnehmen kann. Diesem Mann sei an dieser Stelle auch mal ein ausdrückliches Lob gegönnt für seine anspruchsvolle leichte Textkost, die keine Gefahr läuft, je in billiges Schlagerfahrwasser zu geraten.

Ina ist derzeit in puncto lebendiger und authentischer Unterhaltung das Mass der Dinge. Glückwunsch zum Album, zum Texter und zur neuen Liebe!

www.inamueller.de

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