Musik - 29.01.11 -

Songwriter-Highlight 1

Hölle, Himmel, Herzblut: Jimmy Gnecco

“The Heart” heißt das erste Solo-Album von Jimmy Gnecco, das im Spätherbst 2010 endlich auch bei uns erschien. Endlich, weil es eines jener Alben ist, das man nie mehr vergisst, hat man es einmal gehört. Das liegt an der ungeheuren Leidenschaft und fesselnden, live sogar bis zur tranceartigen Hingabe reichenden Intensität des Songwriters aus New Jersey, der sein Herz weit öffnet und alle hineinschauen lässt. So viel Herzblut vergießen nur wenige. Selbst das Artwork ist pures Heartwork.

Auf “The Heart” verarbeitet der Frontmann der Ours (unbedingter Tipp für Liebhaber von Bands wie Interpol und Editors) den Tod seiner Mutter sowie den Verlust seines Freundes Jeff Buckley, dem großen, viel zu früh verstorbenen Hoffnungsträger des Songwritings, diesem genialen Talent, dem wir Musikfans ebenfalls nachtrauern. Das Schmerzliche dieser persönlichen Abschiede wird bei Jimmy Gnecco nachfühlbar, so durchlebt und durchleidet der Musiker seine Lieder regelrecht. Existenzielle Songs, die große Klasse haben und unter die Haut gehen, bei denen man tatsächlich mehr als einmal denkt, dass Jeff im Songwriting und in der Interpretation von Jimmy seine Spuren hinterlassen und etwas von seinem Geist auf den Freund übertragen hat.

In puncto Intensität steht Gnecco Buckley in nichts nach, da könnten sie sogar siamesische Zwillinge sein. Denn wie dieser treibt auch Gnecco die Emotionen gerne auf die Spitze bis an die Grenze des Erträglichen. Diese unbedingte Bereitschaft zur Grenzüberschreitung, zum nahe liegenden Pathos- und Kitsch-Vorwurf stellt sich Jimmy Gnecco mit der breiten Brust des von seinem Tun Überzeugten. Mitunter haben seine Songs auch eine große innere Verwandtschaft zu denen von Thom Yorke, Gneccos Vorliebe für Radiohead ist unüberhörbar, insbesondere im Titelsong seines Solo-Debüts, das 15 ausnahmslos erstklassige Tracks versammelt.

Wenn es Gnecco gelingt, seinen gelegentlichen Hang zum Pathos etwas mehr auszubalancieren, kann und wird er einer der ganz großen Songwriter dieser Dekade werden. Denn viele seiner Songs sind von einer Gefühlstiefe, die wirklich berührend und zugleich mitreißend ist. So hochgradig emotional, geradezu schmerzlich passioniert habe ich den Musiker vor zwei Jahren auch live erlebt als er im Vorprogramm von Mark Lanegan und Greg Dully eine die Zuhörer elektrisierende Unplugged-Performance lieferte, die einen durch ihre glaubwürdige Innigkeit regelrecht in Bann zu ziehen wusste. Als Kostprobe hier ein von einem britischen Fan (Thank You EODM1!) mitgeschnittenes Video, das genau einfängt, was diesen fabelhaften Songwriter ausmacht.

Erinnert Euch das irgendwie an “Live At Sin-é” von Jeff Buckley? Dann behaltet diesen empathischen und sympathischen 37jährigen im Auge und im Ohr. Schon, weil er so viel Gemeinsamkeit mit Jeff hat.

www.jimmygnecco.com

www.myspace.com/jimmygneccosolo

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