Musik - 14.11.10 -

Tolles Debüt der Berliner Band

Ein exzellentes Albumding, das Weile hatte: Brokof

Der Titel des Debütalbums der deutschen Band Brokof ist vortrefflich gewählt. Denn “Softly, Softly, Catchee Monkey” bedeutet soviel wie die Redewendung “Gut Ding will Weile haben”. Drei Jahre hat sich das Berliner Quartett, namentlich Fabian Leistner, Arne Berger, Rocco Weise und Christian Kohler Zeit gelassen, um ihren zehn Songs umfassenden Erstling zu produzieren. Zeit, die sich sehr gelohnt hat, denn dieses Album stellt eine reife musikalische Leistung dar, die einmal mehr die Wahrheit betont und belegt, dass Geduld sich am Ende immer auszahlt.

Das könnten die deutschen Hoosiers und mehr werden. Ähnlichen Charakter und Pop-Verve vermitteln die Songs von Brokof. Wobei die deutsche Band weitaus mehr Mut beweist, weil sie der Melodie aus Melancholie kräftige Noise-Noten hinzufügt, was eine originelle, spannende Mischung ergibt. Sehr souveränes Songwriting trifft auf Experimentierfreude. Einer aktuellen CD-Besprechung, die der Band unterstellt, sie agiere zu verhalten und gehemmt, kann ich nur entgegenhalten, dass der Rezensent da doch wohl ein paar dämpfende Ohrstöpsel zu viel intus hatte.

Ganz im Gegenteil. Brokof, die offenbar auch eine Vorliebe für den Sound von Velvet Underground haben, gehen auf dem sehr vielschichtigen und abwechslungsreichen Debüt öfter aus sich heraus und vermitteln z.B. in “Here Comes The Man” den Willen, ihr zwischen Folk und Americana Feeling zu verortende Songgut durchaus avantgardistisch aufzubrechen. “Angels” lässt auch diese Ausbrüche zu, die den gewöhnlichen Songrahmen sprengen.

“Lonesome Times” ist ein echtes akustisches Kleinod mit seiner Verfremdung in die amateurhaft home recording Atmosphäre – sehr wirkungsvoll. Clever! mit “Goodbye” folgt eine sechseinhalb minütige Songwriting-Perle, vor der jeder Hut zu ziehen ist. Wie da akustische Gitarre, Taktzähler, dezente Streicher, einfühlsamer Gesang und Piano den Song zunächst sanft gestalten, um ihn dann mit Arpeggio-Riffs und Marsch-Drums in eine andere Ebene zu eskortieren und wieder zur Erde zurückzuholen, ist ganz groß. Der Volltreffer des Albums.

Der Lust an shuffelnden Pop-Rhythmen frönt danach wieder das leichtfüßige “Queen Of Dirt”. Und auch auch “Run Run Run” tänzelt etwas nachdenklicher über dieses Terrain – getarnt als Ballade, insgeheim aber doch pures Bekenntnis zum hymnischen Pop. Wirklich balladesk wird es dann im Folk verliebten “Until The End”, das sich nicht zu schade ist, die Band in all ihrer Vielseitigkeit auch in der getragenen Emotion zu verorten, die mal kurz bei den Beatles reinschaut. Diese Jungs haben wahrlich die ganze Bandbreite des Pop inhaliert und in ihren ganz eigenen Stil destilliert.

Das Album zählt für mich neben “The Fool” von Warpaint, dem Solodebüt von Fyfe Dangerfield namens “Fly Yellow Moon” und dem fantastischen “The Wild Hunt” von The Tallest Man On Earth zu den ganz großen Neuentdeckungen des Jahres. Für dieses sehr gelungene Debüt von Brokof kann man nur erhoffen, das es dem Namen seines Labels alle Ehre macht – denn das heißt Goldrausch Records. In diesem Sinne wünschen wir erfolgreiche Albenverkäufe. Verdient sind sie allemal. Danke auch an Snowhite Promotions, die uns auf dieses tolle Album aufmerksam gemacht haben.

Wäre nur gerecht, wenn Brokof auf ähnliche Gegenliebe beim Publikum treffen würde wie seinerzeit das plötzliche Auftauchen von Get Well Soon, jener Indieband um den jungen Musikgenius Konstantin Gropper, die seit drei Jahren als neues deutschen Songwunder gefeiert wird. Dass Brokof eine Band mit Perspektive sind, beweist auch dieses Video, das wir ausgewählt haben, um Euch die Band vorzustellen – “This Place”, das auch den Schlusspunkt dieses mehr als beeindruckenden Debüts bildet:

www.brokof.net

www.myspace.com/brokof



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