Musik - 08.11.10 -

Debütalbum des Jahres

Newcomer 2010: Die Girls von Warpaint

2009 um diese Zeit waren wir hin und weg von einer jungen Londoner Band namens The XX, die uns mit ihrem bewunderungswürdigen atmosphärischen 80er Jahre Independent Wave-Sound-Debüt in die Knie zwang. Etwas ähnliches ereilt uns in diesem Jahr mit dem Erstling “The Fool” der amerikanischen Girl-Band Warpaint, die mit ihrer Referenz an den Post-Punk nicht weniger zu faszinieren versteht. Was einen in dieser Epoche Musikkultivierten wie den Ohrtrommler besonders erfreut, weil es ansatzweise ewige Jugend zu schenken vermag.

Dieser musikalische Jungbrunnen aus Post-Punk und New-Wave-Sounds findet in Warpaint einen würdigen modernen Ausdruck. Irgendwie werden diese Achtziger ja gerade selig gesprochen durch Bands wie die Editors, Interpol oder eben die grandiosen Jungspunde von The XX. Soll uns alten Säcken nur recht sein, denn wir haben es ja schon immer gewusst, dass diese Musik zum geilsten gehört, was der liebe Gott sich abends so auf die Ohren gibt, um das Schöpfen nicht zu verlernen.

Ist “Set Your Arms Down” noch halbwegs berechenbar, was die Herkunft angeht, stellt sich ab “Warpaint” doch bereits der Verdacht ein, dass diese jungen Frauen gewillt sind, dem Bekannten und Bewunderten etwas eigenes hinzuzufügen. Der bandnamensgebende Song wuchert mit Gitarren und Soundeffekten, die den Begriff “Atmosphäre” mehr als rechtfertigen. So sirenen-zart der Gesang auch scheinen mag, er ist nicht weniger als ein subtiles Trojanisches Pferd für die Zitaten-Chuzpe der Ladies. Natürlich ist das Siouxsie and The Banshees und Toyah mit Tarnkappe.

Diese Mädels haben intensiv Siouxsie Sioux und die frühen The Cure gehört, sind also bestens sozialisiert und kultiviert, was die besonderen Sounds der 80er angeht. Ganz groß wird es ab Track Drei, wenn Warpaint ihren Mädchencharme vollends entfalten. “Undertow” ist tatsächlich der Sog, der einen tiefer ins Album und in die Raffinessen dieser Band zieht. “Bees” ist bereits einer der Songs, der süchtig macht. Dieses intensive Blubbern, untermalt mit irrlichternden Percussions und schrillen Gitarrensounds heißt einen Willkommen in einer neuen Wave-Zeitrechnung.

Und dann heißt es Anschnallen und Festhalten. Denn es folgt einer der ganz großen Songs des Jahres. “Shadows” ist ein Rock-Wunder. Dieser rollende Bass, die gefächerten Drums, dieser euphorische Gesang, diese unglaubliche Sachlichkeit der Akustikgitarre nicht zu vergessen, die sich mit den wenigen akzentuierten Pianoakkorden verbündet. Ganz toll!

“Composure” schlägt in die gleiche Kerbe, befördert die Bewunderung des Zuhörers. Dem schamanischen Auftakt folgen weit ausholende und tief hallende Gitarrenlinien, die sich treffen zum Gesangs-Mantra, um schließlich taumelnden Percussions zu erliegen. Das “Baby” lässt dank seiner Zartheit nichts anderes zu, als sich ihm still zu ergeben. Mit seiner Bass-lastigen Spannung weiß das klanglich weiträumige “Majesty” einen so weit zu umgarnen, dass man jeden 80er-Würde-Schwur einzulösen bereit ist.

Und das abschließende “Lissie’s Heart Murmur” veranlasst den Ohrtrommler schließlich den Hut vor diesem Debüt zu ziehen, dass sich seiner Wurzeln bewusst ist und sie gleichsam selbstbewusst interpretiert und in die Neuzeit überführt. Das sollte vielen Fans der 80er-Indiejahre mehr als recht sein. Der Ohrtrommler jedenfalls ist ganz vernarrt in “The Fool”, das sich mit jedem Hören tiefer und weiter im Bewusstsein des Achtziger-Fans ausbreitet und wächst.

www.warpaintwarpaint.com

www.myspace.com/worldwartour

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