Musik - 27.09.10 -

Essentiell und anbetungswürdig

Das Knochenmark des Rock: “Le Noise” von Neil Young

Albumcover Neil Young Le NoiseForever Young! Was Neil Young auf seinem neuen, von Daniel Lanois kongenial produzierten Album “Le Noise” vollführt, ist der nackte Neil-Wahnsinn! Ganz aufs Wesentliche reduziert, auf sein einzigartiges Gitarrenspiel, seine brüchige Stimme und die subtilen Möglichkeiten von Lanois Studiotechnik, gelingt dem kanadischen Songwriter das essentielle Rockalbum schlechthin.

“Le Noise” ist die Fortführung seiner überirdischen Filmmusik zum Jim Jarmusch-Western “Dead Man” über das Hier und Jetzt hinaus. Nach einer an Höhepunkten nun wirklich reichen Karriere mit mindestens einem Dutzend Alben von strahlender Größe setzt Neil Young mit diesem Meisterwerk ein wahres Monument in die Landschaft der Rockmusik, das die Dimensionen von Grand Canyon und Rocky Mountains zusammen hat. Der Fels, auf dem die Hall of Fame gebaut ist.

Daniel Lanois hat großen Anteil an der vom ersten Ton an fesselnden Faszination des Werks, so wie Rick Rubin seinerzeit bei den legendären American Recordings von Johnny Cash das Können des Musikers auf die reine Substanz filterte und damit erst die ganze Magie erschuf. “Le Noise” ist sogar noch die gespenstische Ton-Spur archaischer als die Cash-Sessions, Young und Lanois bringen gemeinsam das Wesen der Rockmusik auf den schöpferischen, elementaren Punkt.

Geradezu bis auf die Knochen von Songstruktur skelettiert klingt dieses Rockgewitter, in dem es vor musikalischer Urgewalt, kreativer Energie und elektrisierender Intuition des Musikers nur so blitzt und donnert. Textlich verdichtet auf die zentralen Themen des Menschen, auf Liebe, Glaube, Freiheit und Frieden. Elektrisch so schön, relevant und nachhaltig wie akustisch. Keiner der acht Songs ist dabei hervorzuheben, weil es doch eine Einheit von Sturm und Stille ist, die man nur als solche hören will und kann, in all ihrer Wildheit und Sanftheit.

Einmal, am Ende von “Hitchhiker” muss man ganz tief schlucken, wenn Neil Young sich bedankt für seine Kinder, für die Frau an seiner Seite. Dann klingt das fast wie das Ende eines Weges, einer Reise, wie der Schwanengesang des Mannes, der am 12. November 65 Jahre alt wird. Gott bewahre!

“Hey Hey, My My, Rock and Roll Can Never Die” hat Neil Young einst selbst die ultimative Rock-Parole in die Welt geworfen. Er ist auch der erste, der sie ultimativ erfüllt mit diesem Album, das einen sprachlos und fassungslos macht vor Bewunderung und ja, auch Ehrfurcht. Diese Atem beraubenden, betäubend existenziellen 37:46 Minuten sind Neil Youngs Genesis, Neues Testament und seine “acht” Gebote in einem.

Das Knochenmark der Rockmusik!
Ein epochales Werk für die Ewigkeit!
Göttlich!

Auf die Knie, Ihr Young-Jünger!

www.myspace.com/neilyoung

www.neilyoung.com

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