Herzlichen Glückwunsch Franz Beckenbauer
Lichtgestalt, Womanizer, Christ – Kaiser Franz wird 65
Was Mozart für die Musik, Goethe für die Literatur, Shakespeare für das Theater, Picasso für die Kunst, Pina Bausch für den Tanz sind, das ist Franz Beckenbauer für das Kulturgut Fußball – ein Genie.
Er selbst würde diese Bezeichnung in der ihm eigenen Bescheidenheit (Ja, die hat er!) zurückweisen oder zumindest charmant und (verdeckt) verlegen überlächeln oder überplaudern. Genau das ist der Grund, warum ich die Ikonen aus der Kunst als Vergleichsgrößen für die Person Franz Beckenbauer gewählt habe. Weil auch er ein Künstler ist, nicht nur einer am Ball und allem drumherum, sondern ein wahrer Lebenskünstler. Ein Phänomen der Popularität ist dieser Mann, der über alle gesellschaftlichen Klassen und Bereich hinaus anerkannt wird und wirkt. Ein mit Talent und reich Beschenkter, ach was Gesegneter, darf man bei diesem Christen überzeugt sagen. Einer den die Götter lieben, zumindest der eine, an den Franz Beckenbauer glaubt.
Einer, der selbst viel mehr als Ruhm und Wohlstand die Frauen liebt. Seine von ihm hoch verehrte Mutter Antonie (* 23. Juni 1913; † 11. Januar 2006) vor allem, zu der der Sohn ein inniges Verhältnis hatte, deren Rat er schätzte und deren Nähe er zu allen Zeiten suchte und die er auch in ihren letzten Tagen treu begleitete. Zwei, die sich viel gegeben haben, zwei, die mit sich im Reinen waren. Auf der Grundlage gemeinsamer Werte, eines starken Glaubens und im Bewusstsein der Tatsache, dass alles vergänglich ist. Was sich dann auch immer wieder in seinen Frauenbeziehungen gezeigt hat, die vielleicht oft wegen des übergroßen Vorbilds der geliebten Mutter nicht von ewiger Dauer waren.
Erstaunlich dabei ist, dass Franz Beckenbauer aber über diese wechselnden Frauen in seinem Leben nie Schaden an Ansehen genommen hat. Schmutzige Wäsche wurde nicht gewaschen bei dieser doch sehr öffentlichen Person. Offensichtlich ist der Mensch und nicht der Mann Beckenbauer der Grund dafür, der bei allem Selbstbewusstsein und Charakterstärke sehr weiche Züge besitzt, dass seine Frauen zwar von ihm enttäuscht wurden, aber nicht vorsätzlich getäuscht, was seine Gefühlswelten angeht. Allein dieser Frieden nach den beendeten Beziehungen ist bezeichnend. Und das hat bei den doch sehr starken, selbstbewussten weiblichen Persönlichkeiten, die Beckenbauer angezogen haben, wohl nicht nur mit der Tatsache zu tun, dass sie sich hernach sicher gut versorgt wissen konnten.
Der sehr Harmoniebedürftige hat in seinem Wirkungsbereich Fußball dann Konflikte zwar nie gescheut, aber sich auch nie lange damit aufgehalten, wohlwissend, dass es meist um die Eitelkeiten anderer dabei ging, dieses sich an ihm, dem Unantastbaren messen. Immer dann hat er zugleich Souveränität und Selbstbewusstsein bewiesen – nicht demonstriert wie andere – und wohlwissend, welch vergeudete Energie Streit oft ist, die Hand wieder hingestreckt zum anderen. Es gibt wohl kaum eine Berühmtheit, die so wenig nachtragend ist. Obwohl man ihm von Jugend an fast täglich Lorbeerkränze gewunden und Heiligenscheine angedichtet hat. Einer, dem alles gelingt, was er nur anpackt. Einer, der alles erreicht, was er sich vornimmt. Einer, der alles kann, ohne sich verbissen anzustrengen. Und sei es “nur”, dass er seinen Freund, den Ball von einem Weißbierglas in der berühmten Torwand versenkt. Einer, der das Glück und den Erfolg geradezu magisch anzuziehen scheint – kein Wunder, dass dieser Mensch ein lebender Mythos ist. Weltmeister als Spieler, Trainer und Organisator. Die Legende, die Lichtgestalt, der Liebling. Niemandem ist es wohl je so gelungen, sich trotz großen Ruhms uns Wohlstands zugleich soviel neidlose Sympathie und Bewunderung zu erwerben. Weil jeder, der ihm begegnet sofort spürt, dass Franz Beckenbauer nicht abgehoben, um sich selbst kein großes Gewese macht, einer der wenigen ist, der über sich selbst wirklich lachen kann, über die vielen wundervollen Karikaturen und Parodien, die es von und über ihn gibt.
Nicht selten wurde er belächelt, teilweise sogar verspottet, wegen seiner Einfachheit und Schlichtheit der Gedanken, die teilweise als Naivität diskreditiert wurden, auch wegen der Freiheit, die er sich stets nahm, seine Meinung mitunter auch recht schnell zu ändern. Was mancher ihm als Wankelmut übel nahm und haltungslos, ist allerdings in Wahrheit nur die Erkenntnis, dass gerade Fußball immer vor allem und im Grunde nur eins bleibt: ein Spiel. Und selbst da hat nur vorgelebt und gespiegelt, was die ganze Journallie täglich praktiziert: Hosianna und kreuzigt ihn. Nur dass Beckenbauer diese alltägliche Grenze des Respekts und der persönlichen Verletzung nie überschritten hat. Da war sein aufrichtiger christlicher Glaube stets vor. Und der hat ihn auch gelehrt, bei den wichtigen Dingen des Lebens Haltung und Rückgrat zu bewahren. So ist er zur Führungsfigur geworden, der morgen im ersten Wahlgang in jedes denkbare Amt gewählt würde, so groß ist die Sympathie für ihn, so groß seine Wirkung und Bedeutung, seine Beliebtheit, die darauf gründet, dass Franz Beckenbauer immer der einfache Mensch geblieben ist, als der von seiner Mutter erzogen wurde.
Er hat immer um seine Herkunft gewusst, sie nie verleugnet, sondern still und demütig wertgeschätzt als den Boden, auf den er aus den luftigssten Höhen immer wieder zurückkehren und sicher stehen konnte. Sein Wesen ist geprägt von tiefer Dankbarkeit, Demut, Respekt und Toleranz. Immer ein offenes und freundliches Wort für den Nächsten. Immer geduldig, wenn es darum geht, das Interesse an ihm zurückzuzahlen, sei es mit einem Lächeln, einem Autogramm oder mit seiner Stiftung zur Unterstützung behinderter, bedürftiger und unverschuldet in Not geratener Menschen, um die er sich jetzt vermehrt kümmern möchte, der Vater von zwei kleinen und drei erwachsenen Kindern. Und aus all diesen gründen wir er als Lichtgestalt beschrieben. Weil viele gerne so wären wie er, so einfach, so talentiert, so charmant, so souverän, so genügsam, so zufrieden, so sorglos, so respektvoll, so sozial! Weil er wirklich ein, wenn nicht das Vorbild ist, das Sein und Haben aus sich heraus zu vereinen wusste, mit höheren Mächten im Bunde.
Katrin Müller-Hohenstein, die Fußball-Expertin des ZDF, brachte es gestern als Gast in der NDR Talkshow und bekennende Bewunderin von Kaiser Franz auf den Punkt, was das große und zugleich kleine Geheimnis ist, das diesen Mann mit der einzigartigen, ewig wirkenden Aura umgibt: “Franz Beckenbauer ist einfach ein zauberhafter Mensch.”
Das finde ich auch und ich bin sehr froh, zumindest eines mit ihm zu teilen – das Geburtsdatum. Herzlichsten Glückwunsch, Franz Beckenbauer – und Fürti Gott!
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