Musik - 05.09.10 -

Kompletter Back-Katalog des Komponisten

Verneigung vor Arvo Pärt zum 75. Geburtstag

Arvo_Pärt-Foto_c_Kauppo-Kikkas/ECM

Foto_c_Kauppo-Kikkas

Auch wenn der Name vielleicht nur Insidern etwas sagt, Arvo Pärt zählt zu den bedeutendsten Komponisten zeitgenössischer klassischer Musik. Der Este, der bereits im Alter von 14 Jahren eigene Werke verfasste, gehört zu den leider zu gut gehüteten Geheimnissen der Musikszene. Mit einem Werk voller Gehalt und Subtilität, dass sich an den Grenzen und Rändern des Populären bewegt, dabei zutiefst bewegend ist, so experimentell und avantgardistisch es mitunter auch anmutet. Obwohl ich nur gelegentlicher Klassik-Konsument bin, erinnere ich mich sehr genau an das Erweckungs-Erlebnis als mir erstmals ein Werk von Arvo Pärt in die Hände fiel und dann mit dazu beitrug, meine Hörgewohnheiten zu erweitern und offen zu bleiben auch für Musik aus anderen, fremderen Welten.
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“Tabula Rasa” reizte mich seinerzeit nur wegen seines Titels und zählt mit seiner meditativen Kraft für mich bis heute zu den erbauendsten Werken klassischer Prägung. Wo anders als bei ECM, dem sensibelsten Label für solch hochwertige Grenzgänger-Musik, könnte man die feingeistigen Werke von Pärt finden? Dort gibt es in der Klassik-Reihe New Series – die übrigens mit “Tabula Rasa” 1984 ihren Anfang hatte, eine umfassende Sammlung an Werken dieses Komponisten zu entdecken.

Arvo_Pärt-Foto_c_Luciano-Rosetti/ECM

Arvo_Pärt-Foto_c_Luciano-Rosetti/ECM

Eine Premiere ganz besonderer Art gibt es zu seinem 75. Geburtstag am 11.September. Bei ECM erscheint nun auch das erste symphonische Werk, das Pärt seit fast 40 Jahren geschrieben hat und das zugleich als seine erste politische Äußerung in der Musik gewertet wird. Seine 2008 entstandene Symphonie Nr. 4, komponiert im Auftrag des Los Angeles Philharmonic, ist Michail Chodorkowski gewidmet, jenem russischen Öl-Magnaten und Ex-Milliardär, den der russische Präsident Putin 2003, mutmaßlich aufgrund seiner Einmischung in die russische Politik, inhaftieren ließ.

Pärt selbst begreift die Widmung an Chodorkowski als nicht unmittelbar politisch motiviert, sondern beschreibt sie in den Linernotes zum Album als „Ausdruck des großen Respekts vor einem Menschen, der inmitten seiner persönlichen Tragödie moralisch triumphiert. Der tragische Ton der Symphonie ist kein Klagegesang für Chodorkowski, sondern eine Verbeugung vor der starken Kraft des Geistes und der Würde des Menschen.“ Typisch Pärt, dessen gesamtes Werk von humanem Ansinnen durchsetzt ist. Für das Fachmagazin “Klassikakzente” ist dieses Werk ein großer Wurf. Dort würdigt man Pärts Symphonie als “…aufregendes, tief substanzielles und enorm klangschönes symphonisches Werk… Seit Ewigkeiten hat es in der modernen Musik nichts Vergleichbares gegeben.”

Herzliche Gratulation schon jetzt von einem Verehrer dieses großen Künstlers, der mit ihm den Geburtstag teilt und sch ihm schon deswegen sehr verbunden fühlt. Dre Glückwunsch geht einher mit dem innigen Wunsch, dass Arvo Pärt ebenso wie der griechischen ECM-Künstlerin Eleni Karaindrou die Gerechtigkeit zuteil werden möge, einem größeren Publikum bekannt zu werden.

www.arvopart.info

www.ecmrecords.com



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