Musik - 05.09.10 -

Zarte Töne beim Debüt

Radiohead-Drummer Selway solo

Sobald der Name Radiohead fällt, denkt man automatisch zuerst an Thom Yorke. Kein Wunder, auf den charismatischen Frontmann der Kultband ist schließlich stets alle Aufmerksamkeit konzentriert und fokussiert. Philip Selway, der Radiohead-Drummer schickt sich nun aber an, aus dem übergroßen Schatten des Primus inter pares herauszutreten. Wenn auch eher heimlich, still und leise. Denn auf “Familial”, seinem gelungenen Solodebüt als Songwriter schlägt Selway wohltuend ruhige Töne an. Auch wenn das krude Coverphoto Assoziationen in andere Richtungen zulässt.

Mit den avantgardistischen Songstrukturen von Radiohead haben die sanftmütigen Kompositionen wenig gemein. Man mag kaum glauben, dass der Mann, der da so zarte, filigrane Lieder vorträgt, in seinem Hauptjob kräftig die Trommelfelle bei den Indierockern bearbeitet. Dezente, feine Akustik-Gitarren-Akkorde sind es zumeist, zu denen Philip Selway mit fast zurückhaltender Stimme singt, als wolle er nicht sonderlich auffallen. Gerade mal etwas mehr als eine halbe Stunde benötigt der Musiker, um sich als Songwriter mit großem Potenzial im Gehör zu verankern.

Die sparsam arrangierten Stücke, die sich zu den feinen Gitarrenklängen nur ein paar zarte Streicher gönnen oder dort hingehauchte Soundtupfer aus der Radiohead-Welt, erzeugen eine höchst angenehme Höratmosphäre. Unter den zehn Tracks sind einige echte Perlen, die der Hoffnung Nahrung geben, Selway möge uns doch öfter mit seinem Solo-Talent beglücken. Oder aber auch beim nächsten Radiohead-Album die eine oder andere Idee in den Yorke-Topf werfen. Wird ohnehin höchste Zeit, mal wieder was Neues von der aufregendsten Band der Gegenwart zuhören.

www.philipselway.com



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