Musik - 24.08.10 -

Musikalisches Schattenreich

Gothic Wave Pop Perle von Zola Jesus

Als wir im Mai Zola Jesus mit ihrem Video “Night” vorstellten, hatten wir bereits so eine Vorahnung, dass diese Sängerin uns noch die eine oder andere Gänsehaut verursachen würde. Kein Wunder, denn die 21 jährige Nika Roza Danilova, die hinter Zola Jesus steckt, kommt vom Operngesang und setzt ihre stimmlichen Fähigkeiten kongenial in düster-mystisch-melancholische Stimmungsbilder um. Dieser Gothic Wave Touch gibt ihren Popsongs etwas Bizarres und eine geheimnisvolle Aura. Intuitiv haben wir Zola Jesus seinerzeit stilistisch in der Nähe von Siouxsie Sioux verortet, die mit ihren Banshees zu einer der schillerndsten Figuren und interessantesten Musikern des Post Punk zählte. “Stridulum II”, das Debütalbum von Zola Jesus bestätigt dieses Gefühl vollends.

Die um drei Songs erweiterte Fassung der ursprünglichen EP “Stridulum” ruft den Geist von Siouxsie And The Banshees in die Gegenwart und lässt noch einen Hauch Anne Clark mitschwingen. Der Elektro-Pop von Danilova atmet hier New Wave ein und dort Industrial aus, umgibt sich mit Echo- und Halleeffekten aus der Gruft und zieht sich in die Dunkelkammern der Emotionen zurück. Über allem setzt die junge Sängerin ihre dominante Stimme und erzeugt diese morbide Atmosphäre, die wie eine Bannmeile wirkt, als ob man nicht zu den tieferen Mysterien von Danilova durchdringen solle.

Ich habe durchaus kritische Töne zu “Stridulum II” gelesen, die dem Album eine gewisse Oberflächenwirkung und gewollte Attitüde anlasten oder Minimalismus und Monotonie andeuten. Diese Rezensenten haben sich möglicherweise nicht die Zeit und Muße genommen, sich in den Sog des Albums ziehen zu lassen, der gerade durch diese formale Strenge entsteht. Wenn man sich ganz einlässt auf Zola Jesus und fallen lässt in diese seltsame Distanziertheit, die magnetisch wirkt, lösen sich die Gedanken in einen spiralförmigen Wirbel auf und die ätherischen Klänge absorbieren einen förmlich. Es ist der seelische Effekt, der hier vor allem zählt.

Ich empfehle, dieses obskure Opus zu nächtlicher Stunde am Stück zu hören und die mit Licht am Ende der Düsternis versehenen Songs wie “Night”, “Manifest Destiny” oder “Lightsick” ganz auf- und anzunehmen und dabei die Ambivalenz aus Tristesse und Euphorie zu spüren. So ungefähr muss es in der Schattenwelt sein, die vom Diesseits ins Jenseits führt. Keine Furcht, es ist ja nur Reise auf Probe!

zolajesus.com

www.myspace.com/zolajesus



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