Verrückt, großartig, machbar
Schlingensiefs letzter Traum
Heute verstarb Christoph Schlingensief im Alter von nur 49 Jahren an Krebs. Seine letzten Monate hat der schwer krebskranke Theatermacher mit zahlreichen Reisen nach Afrika und der intensiven Arbeit an seinem letzten großen Traum verbracht: Ein Opernhaus in Afrika!
So verrückt es klingt, die Idee ist berückend. Mitten in der Steppe von Burkina Faso, rund eine halbe Stunde von der Hauptstadt Ouagadougou entfernt, ensteht ein in der zwischenzeitlich erfolgten Planung zum Operndorf angewachsenes Projekt, an dem die Region regen Anteil nimmt.
Mit Hilfe zahlreicher prominenter Freunde und Kollegen sowie unzähliger namenloser Spender und natürlich mit Schlingensiefs eigenem Geld plant der Architekt Francis Kéré ein Künstlerdorf mit Unterrichtsmöglichkeiten für Gesang, Schauspiel, Fotografie und vielen anderen Einrichtungen mehr. Mit überwiegend traditionell afrikanischen Werkstoffen, neuzeitlich verarbeitet und in einer Art Slow-Mo-Bauweise soll das Dorf, das um einen schneckenartigen Zentralbau angeordnet sein wird, Heimstadt für einen guten kreativen Geist = Spirit werden.
Der mt dem höchstdotierten Architekturpreis ausgezeichnete Architekt Francis Kéré kommt ursprünglich aus Burkina Faso, hat in Deutschland studiert und lehrt hier in Berlin. In ihm hat Schlingensief den passenden Partner für sein Projekt gefunden, der ihn gleichzeitig beflügelt und wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hat.
Die Zeichen stehen gut, dass das Projekt auch nach dem Tod Christoph Schlingensiefs weitergeführt wird. Die Familie bittet um Spenden statt Blumen, damit Christoph Schlingensiefs letzter Traum wahr werden kann.


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