Die Sanftheit des Mark Kozelek
Ton für Ton Kontemplation: Sun Kil Moon
Nach den Partyburnern von gestern jetzt in die Chill-Out-Zone meines Herzens. Seit 20 Jahren bereits begleitet Mark Kozelek mich mit seinen wunderbaren Slow bzw. Sad Core Alben durch die Herbste und immer noch berührt mich diese zarte Künstlerseele, die sich selbst immer wieder mit der eigenen Musik zu streicheln scheint. Ob bei den Red House Painters, mit seinen Soloalben – wie z.B. seinen wundervollen akustischen Interpretationen von AC/DC-Songs – oder jetzt unter dem Bandnamen Sun Kil Moon, Kozelek geht beharrlich den Weg des stillen edlen Klangs, der schon fast zu schön für diese Welt ist. Das neue Album “Admiral Fell Promises” macht da keine Ausnahme und ist erneut ein Mantra der Melancholie.
Mark Kozelek gehört unerschütterlich zu einer kleinen Gilde von Songwritern, die sich permanent und konsequent zur Traurigkeit hingezogen zu fühlen scheinen und diese Grundstimmung in langsam dahinfließende Musik zu gießen verstehen. Chris Hooson von Dakota Suite, sein Bruder im Geiste der Tristesse, ist auch so ein Klangschöpfer der Kontemplation. Schwarz-Weiß und menschenleer wie das Albumcover fühlen sich auch die Songs auf “Admiral Fell Promises” an. Mark Kozelek vertraut darauf ganz seiner warmen, sanften emotionsstarken Stimme und seinen offenbar ausgiebigen Instrumentalexerzitien seit dem letzten Sun Kil Moon Opus “April”. Denn die 10 Titel sind allesamt mit feinsten klassischen Gitarrenklängen ausgestattet.
Zum Heulen schöne Songs, ob Kozelek einen mit ins “Sam Wong Hotel” nimmt oder über “Third And Seneca” philosophiert, ob er “You Are My Sun” schwärmt oder den schwer seufzenden Titelsong anstimmt. So idyllisch kann ein “Australian Winter” wohl nur in einem Song sein, so viel Glauben und Demut kann man wohl nur in einer “Church Of The Pines” finden.
Ganz außerordentliche Lieder sind das, jedes für sich ein Juwel, das sich in aller Bescheidenheit still am eigenen Glanz erfreut. Ich hoffe sehr, dass dieses Strahlen aus der Nische drängt und viele andere erhellt, auf dass die Musik von Mark Kozelek endlich entdeckt werde. Dieses intensive Album ist ein Traum für Gitarrenfreunde und Liebhaber beseelten Gesangs, es beherrscht die hohe Kunst der Entschleunigung und schenkt einem mit seiner Poesie tiefen inneren Frieden. Auch hier geht es mir wieder wie stets nach dem Anhören eines Kozelek-Werks (immerhin fast 30 Veröffentlichungen). Ich fühle mich zwar als etwas einsamerer, traurigerer, aber auch besserer Mensch. Wohl dem, der solche Katharsis-Kunst zu komponieren vermag.
www.sunkilmoon.com


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