Musik - 17.08.10 -

Trio mit Jose Gonzales

Himmlische Klangfelder auf dem Debütalbum von Junip

Auf seinen ersten beiden sehr schönen und erfolgreichen Alben “Veneer” und “In Our Nature” als Solokünstler hatten die federleichten Songs des Sängers und Gitarristen Jose Gonzales bereits Flügel. Bei der Band Junip hat er jetzt mit dem Keyboarder Tobias Winterkorn und dem Drummer Elias Araya zwei starke Propeller an seiner Seite, die den filigranen Kompositionen des in Schweden lebenden Argentiniers einen kräftigen Schub nach vorne geben. Gonzales empfindet den Schutzraum der Band sogar ein Stück weit als Befreiung aus der Einsamkeit des Solokünstlerdaseins und als Eintauchen in das, was Bandkollege Winterkorn als “Junipsphere” bezeichnet. Alles klar also, um mit “Fields” ein zweites Mal in höhere Sphären abzuheben.

Das Erstaunliche: Es ist das Debütalbum einer Band, die bereits seit Ende der 90er Jahre besteht, sich aber lange Zeit genommen hat, sich schließlich auch als solche zu präsentieren. Araya studierte von 2001 bis 2005 Kunst in Finnland und Norwegen, Winterkorn arbeitete zeitweise als Lehrer und beschäftigte sich mit dem Aufbau eines eigenen Tonstudios und Gonzales´ Erfolg als Solokünstler (“Veneer” errang u.a. Platinstatus in UK) ist hinlänglich bekannt. Jetzt aber scheint die Zeit für Junip endlich gekommen und schon beim ersten Hören wird klar, dass sich das Warten, die Geduld, etwas Gemeinsames entstehen zu lassen, unbedingt gelohnt hat.

Die mal gelassen treibenden, mal luftig schwebenden Songs erzeugen eine angenehme Sogwirkung, in die man sich gerne hereinziehen lässt. Schon beim Einstieg mit “Always” fühlt man sich wohl. Zur vertrauten Stimme von Gonzales und seinen gewohnt lyrischen Gitarrenzupfern gesellen sich fein abgestimmte Keyboardlinien und angenehm unaufdringliche Rhythmen, die den Song auf eine höhere Ebene heben. Das wirkt vom ersten Moment an homogen, eingespielt. Was nicht verwundern sollte. Denn Gonzales und Araya haben bereits im Alter von 14 Jahren gemeinsam miteinander musiziert, “Old Friends” also, wie es so schön bei Simon & Garfunkel heißt, von deren Sanftheit und Leichtigkeit die Musik von Junip etwas hat, wenn auch auf ganz andere Weise.

Junip_Bandfoto_c_Jon Bergman

Junip_Bandfoto_c_Jon Bergman

“Don´t Let It Pass” folgt den bekannten romantischen Motiven des Sängers und ist mit schönen Synthieschleifen verziert. Gonzales Gitarre ist hier zwischenzeitlich elektrisch verstärkt und bahnt sich den Weg zur Elektronik somit auf Augenhöhe. Und in dieser Homogenität der drei Musiker geht es in einem fort. “Faded The Grain” folgt dem eingeschlagenen Weg mit Saitenakustik, percussiver Leichtigkeit und sanften glockenhellen Keyboardklängen Richtung Horizont. Mit vergleichsweise geringem Aufwand erreichen die drei Musiker viel Effekt. Ihre Zutaten sind wohl gewählt, sortiert und dosiert.

Ab Mitte des Albums finden Junip gar den Mut, ein wenig die Fesseln zu lösen und im Rahmen des Konzepts ein wenig auszubrechen. “Howl” hat einen superben Gitarrengroove, der von Araya und Winterkorn subtil weitergetrieben wird. Großartiger Song mit Trance-Charakter. Mehr kann Weniger kaum sein. Chill-In! Derart inspiriert, gibt “In Every Direction” gleich alle Zurückhaltung auf und macht sich breit mit seinen Keyboardschichten und dem jederzeit eleganten Getrommel.

Das kurz mal wieder Zartheit atmende “It´s Alright” ist nur ein kurzes Intermezzo auf dem Weg zu meinen weiteren Albumfavoriten, die mit dem melodisch-treibenden, um sich selbst kreiselnden Mantra “Off Point” ein Highlight setzen, gefolgt vom nicht weniger eingängigen “Rope & Summit”, bei dem sich zu Beginn Gonzales und Winterkorn warm spielen, ehe Araya die rhythmische Startfreigabe zum Abflug gibt. Ziel: Wolke Sieben. Mindestens. Dichter und dichter wird diese Exkursion ins Reich der schwebenden Klänge. Jetzt setzen Junip vom Elektro-Folk ins Reich des Psychedelic Pop über und das ist spannend, dabei zuzuhören, wie fliegend sich dieser Wechsel vollzieht.

“Sweet & Bitter” hat wieder ein schlichtes, aber hoch effektives Riff, das den Rhythmus förmlich aufsaugt. Spätestens hier wird jedem klar, dass dieses Album bald in aller Munde sein wird und wenn es gerecht zugeht, nicht weniger erfolgreich sein wird als Gonzales solo. Sollte mich nicht wundern, wenn auch da bald ein Werbespot die verkaufsfördernde Wirkung dieser Musik entdeckt (Remember Gonzales und Sony Bravia). Wieder in ruhige Gefilde gleiten Junip mit dem eher unauffälligen “Tide” ehe sie sich mit einem letzten kräftigen melodischen Aufbäumen namens “Without You” aus einem Debütalbum verabschieden, das einen mal wieder die Redensart verwenden lässt: Was lange währt, wird endlich gut. Sehr gut sogar. Hat mich sehr gefreut, die Bekanntschaft dieses sympathischen Trios zu machen. Wird Euch sicher auch so gehen.

www.junip.net

www.myspace.com/junip



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