Musik - 16.08.10 -

Neues von Meister E

EELS beglücken mit hoffnungsfroher Melancholie

Auf den Beautiful Freak des Indierock ist Verlass. Abermals liefert E aka Mark Oliver Everett aka Eels ein fabelhaftes Album ab, das dritte innerhalb eines Jahres. Dem mitunter rauhen, rohen “Hombre Lobo,” das stellenweise wie ein Wutausbruch klang, mit zarten Balladen zwischendrin aber besänftigt wurde, folgte das Herz ergreifende “End Times“, das so von melancholischer Abschiedsstimmung und traurigem Songwriting durchzogen war, dass man ernsthaft um E  besorgt sein musste und zugleich vor ihm niederknien wollte angesichts prachtvoller kleiner E-Motionen wie beispielsweise dem grandiosen Liebeslied “Little Bird.” Mit dem neuen Album “Tomorrow Morning” knüpfen die Eels nun an diese berührende Gefühlstiefe an, allerdings scheint Everett sich zu unser aller Freude an den eigenen Songs aus der Depression gezogen zu haben. 

Zwar ist Moll nach wie vor die bevorzugte Tonart von E, aber in den Texten und auch in den Kompositionen scheint immer mehr Licht durch, teilweise keimt sogar so etwas wie echte Lebensfreude auf. Tatsächlich werden jetzt explizit Begriffe wie “god” und “grateful” verwendet. Diese unerwartet hoffnungsfrohen Texturen versieht der Multinstrumentalist Everett wie so oft mit wundervollen Harmonien, die er mal karger, mal üppiger arrangiert und wie stets gelingt es ihm dabei, unnötiges Pathos und Kitsch zu vermeiden. Seine Songs teilen Emotionen und Befindlichkeiten mit, vermitteln Einblicke in das Innenleben eines Künstlers -uneitle Seelenschau.

Das führt – wie so oft bei den Eels – zu Liedern von hoher Intimität. Auf “Tomorrow Morning”  sind sie geprägt von schlichter akustischer Instrumentierung, die auf gut dosierte Elektrosounds treffen, hier dezenter, dort akzentuierter. Unter vielen guten Songs ragen für mich einige heraus. Das streicherweiche “I´m A Hummingbird” etwa, das seine orchestralen Züge ganz der Stimme von E anvertraut. Das rhythmische “Baby Loves me” ist ein dirty, catchy Pop Song, der leicht ins Ohr geht und dort bleibt. Auch “This is Where It Gets Good” hat diese Qualitäten. Die Eels-Hommage an ein “Spectacular Girl” ist eine eingängige Uptempo-Ballade, die zwischen den Notenzeilen an die Beatles erinnert.

Und dann gibt es diese Melancholie-Monolithen, mit denen mir E jedes Mal wieder die Knie weich macht. “What I Have To Offer” ist so ein Herzblutvergießer, für den man ihn einfach lieben muss. Fast als Kinderlied getarnt kommt “After The Earthquake” daher, ein kleines Elektro-Instrumental, das wie eine Spieluhr-Einlage klingt. Auftakt für “Oh so Lovely”, das sich im Walzertakt dreht und abermals Berührung pur ist. Intensiv die Wirkung des bedächtigen “That´s Not Her Way.” Fast schon fröhlich präsentiert sich “I Like The Way This Is Going”, das mich ein wenig an Robert Forster und sein “Let Your Light In, Babe” erinnert, nur eine Spur verhaltener. Mit  dem abschließenden “Mystery Of Life” knüpft Everett an die Eels-Anfänge an. Hier ist er wieder ganz der “Beautiful Freak”, mit dem er 1996 im Sturm meine Sympathie eroberte.

“In the morning when the birds are still asleep…” beginnt einer der neuen Songs mit einer regelrechten Idylle, was für Everett schon ein Quantensprung an Optimismus ist. Da scheint einer so langsam seinen Frieden mit der Welt zu machen. Und der Albumtitel erscheint dann schon fast wie der Glaube an eine glückliche Zukunft. Solange die Eels solche Alben abliefern, gilt das für uns Fans auf jeden Fall.

Die Limited Edition von “Tomorrow Morning” enthält als Bonus eine EP mit vier weiteren Songs

Die Tracklist der Limited Edition:

Disk: 1
1. In Gratitude For This Magnificent Day
2. I’m A Hummingbird
3. The Morning
4. Baby Loves Me
5. Spectacular Girl
6. What I Have To Offer
7. This Is Where It Gets Good
8. After The Earthquake
9. Oh So Lovely
10. The Man
11. Looking Up
12. That’s Not Her Way
13. I Like The Way This Is Going
14. Mystery Of Life
Disk: 2
1. Swimming Lesson
2. St. Elizabeth Story
3. Let’s Ruin Julie’s Birthday
4. For You



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