Musik - 11.08.10 -

Der dritte Grenzgänger-Geniestreich

Jan Garbarek trifft das Hilliard Ensemble zum Officium Novum

Selten war ein Jazz-Musiker so populär wie Jan Garbarek. Dem norwegischen Saxophonisten gelingt es seit Jahren, Jazz-Fans wie Klassik-Freunde und sogar Pop-Anhänger um seine mystischen Kompositionen zu versammeln und Aufmerksamkeit auf doch eher extravagante Klängen zu lenken, die sonst eher in kleinen Nischen verortet und verdrängt werden. Jan Garbarek gehört sogar zu den wenigen, experimentierfreudigen Ausnahmeerscheinungen der Musik, die eigentlich jenseits allen Mainstreams liegende Kunst in die Charts zu bringen vermögen. Sein mit dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnetes Projekt “Officium” aus dem Jahr 1993 ist ein herausragendes Beispiel für solche faszinierende Grenzgängerei.

Garbarek unterlegte seinerzeit die von Gregorianik bis Renaissance reichenden Gesänge des Hilliard Ensembles kongenial mit seinen feinsinnigen und hoch emotionalen Saxophonlinien. So war der Erfolg des Albums zwar in seiner Tragweite spektakulär, aber von seiner künstlerischen Qualität her durchaus nicht ganz so überraschend. 1999 ließ die Kollaboration mit “Mnemosyne” ein weiteres Album folgen, dass erneut eine fast sakrale Atmosphäre vermittelte. Kein Wunder, dass Garbarek und Hilliard Ensemble eine Reihe von Kirchen-Konzerten spielten. Über zehn Jahre nach dem zweiten großen Wurf erscheint nun am 17. September mit “Officium Novum” das dritte Album dieser erfolgreichen Konstellation auf dem fabelhaften Münchner Label ECM, dem deutschen Qualitätsgaranten für Jazz und Klassik.

Das Werk des Saxophon-Virtuosen und der beispiellosen britischen Vokalgruppe wartet – laut Ankündigung – mit neuen Klängen, unerforschten Wegen zwischen Harmoniegesang und Instrumentalimprovisation, zwischen Ost und West, Innovation und Tradition, Spiritualität und Mystik auf. Den instrumentalen Exkursionen von Garbarek folgen nun offenbar auch die Gesänge auf improvisatorische Nebenwege, die dann wieder in den Gesamtstrom der Musik zurückfließen.

Ab September wird das Werk dann auch wieder an der Schnittstelle von Akustik und Architektur live in angemessenen kirchlichen Räumen aufgeführt. Die Welturaufführung findet am 14. September in der Hamburger St. Michaelis Kirche an. „Meiner Meinung nach ist es uns in unseren besten Momenten gelungen, Neues, bisher noch nicht Gehörtes darzubieten“, meint Jan Garbarek. „Es entstand etwas, das es zuvor nicht gab.“ Das klingt ebenso aufregend wie viel versprechend und da hören wir selbstredend ganz genau hin und bringen zeitnah eine Rezension.

Hier alle bisher bekannten Konzerttermine:

14.09.2010 St. Michaelis (Hamburg)

30.09.2010 Berlin (Deutschland), Dom

04.10.2010 Heilig Geist Kirche (Heidelberg)

05.10.2010 Kloster (Eberbach)

06.10.2010 St. Agnes Kirche (Köln)

08.10.2010 Lukaskirche (München)

09.10.2010 Grossmünster (Zürich)

www.jazzecho.de



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