Best Case Scenario
Phänomenales Album: Menomena zünden Musik-Minen
Brent Knopf, Justin Harris und Danny Seim lassen hier ihren Ideen noch mehr Freiraum und landen dabei einige überragende Treffer. Mit Songs vom Kaliber “BOTE” nageln Menomena die Ohren regelrecht an die Wand. Es wimmelt nur so an interessanten Elementen und Strukturen, befeuert von quirligen Gitarren, akzentuierten Drums, rein beißenden Saxophonen über einigen erhabenen Piano-Akkorden. Indierock meets Prog – fabelhaft. Und so geht es in diesem Minenfeld der Ideen in einer Tour weiter mit herrlich versponnenen Songs, die mit Einfällen nur so wuchern und ein ums andere mal in ungewöhnlichen Atmosphären landen.
Überragend “Five Little Rooms”, der Song, der einem den Atem raubt mit seinem kargen Piano-Thema, über das Saxophonzungen a la Lounge Lizards wischen und mit pumpenden Polka-Posaunen in Wettstreit treten während Gitarren und Drums einen Garten aus Sounds darum säen. Man hat wirklich das Gefühl, traumtrunken durch ein Fantasiehaus zu irren, in dem hinter fünf verschlossenen Türen verschiedene Alter Egos von Menomena ihre gespaltene Persönlichkeit zusammen musizieren. Grandios!
“Killemall” mit seinen schwirrenden Klanginsekten ist ein weiterer Beweis für die scheinbar unerschöpflichen Möglichkeiten der Band, magische Sounds zu erzeugen. Aufregende Vibrationen durchziehen “Lunchmeat”, das von allen Seiten mit Instrumententupfern angepinselt wird zu einem Derwisch von Song, der alles in sich aufsaugt, was durch den weiten Klangraum irrlichtert. Wieder so ein sympathisches Gespenst von Musikfragment, das nicht zu fassen ist. Ja es sind irgendwie von der Band gerufene Geister, die sich hier ein Stelldichein geben. Tontorsen, die nach den Resten ihrer Körper suchen und dabei neue Gestalt annehmen. Vielleicht stellt das morbid-schöne Albumcover ja einen Verweis in die Richtung dar. Aber ich würde nicht darauf wetten – Menomena sind hoch begabte Illusionisten, die jeden Trick beherrschen.
“Oh Boy, You´re Such A Big Boy” kommt auch wieder aus der Twilight Zone, scheint es. Von mystischer Erhabenheit, ungeheuer spannend und wie alles auf diesem Album in bester Gesellschaft von akustischen Satelliten, die das Mutterschiff Menomena umkreisen. “Queen Black Acid” klingt tatsächlich wie die Nachwirkungen eines Cold Turkey, manisch. Die Schönheit im Namen trägt “Sleeping Beauty” bereits im Titel, die Band huldigt ihr mit zuerst zarten, dann zunehmend harten Banden. Auch hier gewinnt man den Eindruck, dass das Stück sich geradezu aus sich selbst und seinen Notwendigkeiten heraus entwickelt, mutiert geradezu, um danach für mehrere Sekunden in Bewusstlosigkeit zu fallen und mit einem Pianokuss wiedererweckt zu werden.
“Mines” von Menomena ist das, was ich als Best Case Scenario beschreiben würde. Man hat eine hohe Erwartung. Sie wird mehr als erfüllt. Und man hat das große Vergnügen, euphorisch darüber zu schreiben. Ein Glücksfall ist dieses fantastische, höchst inspirierte Werk für mich und – bei aller Bescheidenheit – für alle Liebhaber wegweisender Rockmusik.
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