Musik - 25.07.10 -

Wut fordert Gerechtigkeit

Nach der Trauer der Skandal: Loveparade Veranstalter und Stadt Duisburg schieben Schuld auf Opfer

Der Brennpunkt des Unglücks auf dem Loveparade Gelände in Duisburg

Der Brennpunkt des Unglücks

Die Pressekonferenz zur Loveparade-Tragödie im Duisburger Rathaus wurde zur Farce.

Als Informationen wurden im Wesentlichen die Argumente der Kommunalpolitiker genannt, die zu ihrer Verteidigung gegenüber der Staatsanwaltschaft und vor Gericht vorbereitet wurden.

1. Die Besucherzahl sei nicht so hoch gewesen, wie von den Medien behauptet.
2. Die Toten hätten sich ausserhalb des Tunnels befunden.
3. „Nach ihren Kenntnissen” hätte es im Tunnel zum Tatzeitpunkt genügend Ausweichraum gegeben.

Bei 19 Toten und 342 Verletzen kann das Entsetzen über diese juristisch abgesicherten Politikerstatements nicht groß genug sein. Bei der Stellungnahme des Oberbürgermeisters Sauerland wird aus der Frage nach dem „Wie” eine irreführende Formulierung „Warum?”. Hier offenbart sich professionelle Wortwahl. Hier wird schon von der logischen Kausalitätsauffassung die Tür zur religiösen und emotionalen Bewältigen der Tragödie geöffnet. Betroffene sollten diesem Mann nicht auf den Leim gehen, sondern, sobald es emotional möglich ist, Strafanzeige stellen. Bürger können ihre Stellungnahme auch direkt äußern (mailto a.sauerland@stadt-duisburg.de ). Die Verantwortung von Rainer Schaller, Inhaber von McFit, Hauptsponsor und Veranstalter der Loveparade wird die Staatsanwaltschaft – so hoffen wir – klären.

Adolf Sauerland bat um Verständnis (!?), dass er keine detaillierte Angaben machen könne, da er seine Mitarbeiter schützen müsse. Es haben also seine Mitarbeiter und nicht er die finale Entscheidung für ein Stattfinden der Loveparade auf einem Gelände mit Tunnelzugang entschieden? Sorry, auch hier wieder die Profi-Politiker Sprachregelung, die von seinem eigenen Versagen ablenkt.

Polizei und Feuerwehr äußerten Bedenken.

Es wurde bekannt, dass Poizei und Feuerwehr deutliche Bedenken gegenüber der Sicherheit auf der Veranstaltung geäußert hatten. Es wundert also nicht, dass – wie von Journalisten erwähnt – schon 2 Strafanzeigen zum Zeitpunkt der Pressekonferenz gestellt worden waren. Auf die Frage, ob der Polizeipräsident bestätigen könne, dass eine der Strafanzeigen von der Feuerwehr Duisburg stamme, antwortete der, dies entziehe sich seiner Kenntniss . Mit Verlaub, die Kenntnis der Strafanzeigen sind das A und O bei der Interessenlage der Herren Verantwortlichen. Hat man die Information bewußt nicht wissen wollen? (Ist das jetzt ein Krimi meine Herren?)

Eines scheint offensichtlich: Die Kräfte, die die Arbeit vor Ort machen mussten, hatten sich im Vorfeld mit ihren Bedenken geäußert. Wer hat also den politischen Willen durchgesetzt und trägt damit die eigentliche Verantwortung?  Die Stadt Duisburg weist weiterhin die Schuld von sich. Das kann so nicht stehen bleiben. Was war in den Sitzungen hinter den verschlossenen Türen vor sich gegangen?

Auf die Frage, ob es zutreffend sei, dass der Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr vor Beginn der Veranstaltung darum gebeten habe, die Veranstaltung nicht stattfinden zu lassen, weil es erhebliche Sicherheitsbedenken gäbe, sagte der Polizeipräsident von Schmeling, er habe davon keine Kenntnis. “Mit dem Leiter der Feuerwehr habe ich das erste mal nach der Veranstaltung gesprochen.”, so von Schmeling Meine Herren wovon haben sie Kenntnis?

Erschreckende Interviews

Michael Schreckenberg, der Panikforscher, erdreistete sich, in einem Interview zu sagen, dass man auf das Verhalten der Konzertbesucher einwirken müsse. Das Sicherheitskonzept sei richtig gewesen.

Der Tunnel war faktisch ein Teil des Sicherheitskonzeptes das durch Herrn Schreckenberg geprüft und für gut befunden worden. Und so ist Herr Schreckenberg eiskalt genug, den Konzertbesuchern die Schuld zu geben und in einem WDR-Interview lapidar zu äußern: „Es gibt aber immer Menschen, die sich nicht an die Spielregeln halten“.

Wenn er das weiß, warum war diese Erkenntnis dann nicht schon Teil des Sicherheitskonzeptes? Der strategisch gewählte Tunneleingang ist eine strukturelle Gewaltmaßnahme um die Menschenströme zu lenken. Es gab dort, wie die Youtube-Videos und viele Augenzeugen im Internet bestätigen, keine Ausweichmöglichkeiten. Die Entscheider und Berater, die diesen Tunnel für gut erklärt haben, tragen Schuld. Kein normal denkender Mensch bedarf da der geforderten Ruhe des Bürgers bis die Staatsanwaltschaft ermittelt hat.

Und die Umkehr der Schudfrage (die Besucher sind Schuld), die von Bürgermeister Sauerland und Herrn Schreckenberg in Interviews propagiert wurde, lässt doch alle Bürger wieder ein Stück mehr an der demokratischen Ordnung unseres Staates zweifeln. Sollten Raver vor dem Besuch der Loverparade Perfektion in Medidationstechniken erlangen, damit sie in einem zu engen Tunnel ihre Emotionen im Griff haben?

Wie können Verantwortliche in vollkommener Unkenntnis des menschlichen Verhaltens und mit der Verweigerung aus der Erfahrung bisheriger Massenveranstaltungen zu lernen, als Experte gelten? Einfachste Physikkenntnisse und grundlegende Erfahrungen mit Menschen reichen vollkommen aus, den Effekt eines Nadelöhrs, wie der Tunnel es darstellt, auf dem Dusiburger Veranstaltungsgelände zu erkennen.

Die wichtigen Erkenntnisse zu Massenverhalten sind lange bekannt

Ob bei Open-Air-Konzerten oder Fussballstadien: Es gibt auch für Halbwissende schon seit vielen Jahrzehnten genug Informationen, um die Situation in Dusiburg richtig zu bewerten. Gerade hat doch das Wissen über Schwarmverhalten den Höhepunkt erreicht. Doch der Einsatz von Pferchen und Tunneln sind hier keine Option. Wie bei der Überschwemmung eines Flusses oder bei Schwärmen im Meer müssen so viele Menschen Platz auf der Fläche haben.

Es geht hier nicht darum, den Besserwisser zu spielen. Das Verhältnis von möglichem Wissen und unverschuldetem Unglück ist jurstisch durchaus wichtig. Denn die Verteidigungslinie der sogenanten Verantwortlichen bedeutet, dass man es nicht vorhersehen konnte und “das ja immer etwas passieren kann”. Das ist nicht hinzunehmen. Die Äußerungen auf der Pressekonferenz widersprechen vielen Zeugenaussagen und Videobeweisen. Jetzt stellt sich die Frage nach Gerechtigkeit. Wir Bürger haben bei Politikern unsere berechtigten Zweifel, ob das korrekt ablaufen wird. Die Verlautbarungen auf der Pressekonferenz machen keine Hoffnung auf eine unvoreingenomme Untersuchung. Zu viele Interessen sind zu schützen.



2 Kommentare zu “Nach der Trauer der Skandal: Loveparade Veranstalter und Stadt Duisburg schieben Schuld auf Opfer”

JJ am 25. Juli 2010 16:25

Hallo Diil, wir fuehlen mit Dir. Einer unserer Kollegen war vor Ort und wir haben uns stundenlang Sorgen um ihn gemacht, bis wir dann endlich wieder Telefonkontakt hatten und erfahren haben, das es ihm gut geht.
Hoffentlich geht es Deinen Freundinnen bald wieder besser. Vielleicht solltest Du u. Deine Freundinnen später zur Polizei gehen und eine Aussage über die Vorgaengemachen. Was meinst Du?

DiiLO47 am 25. Juli 2010 16:11

ich war live dabei .. die ganzen menschen die auf dem boden liegteen. die menschen die weinten .. die menschen die angst hatten .. ich hab eine leiche vor mir gesehn.. ich kann es bis jetzt immer noch nicht fassen das sowas passiert iist :(

8 meiner freundinnen liegen jetzt im krankehaus wegen den verletzungen ..

der Veranstalllter sool (entfernt) alles nur wegen diesem hund sind 19 menschen gestorben .. !!!

Kommentar schreiben