Politik - 15.07.10 -

Wenn Männer leiden

NRW-Kabinett: Starke Frauen hat das Land

Erste Reaktionen auf NRW-Kabinett

Erste Reaktionen auf NRW-Kabinett

Er sei ja kein Macho, sagt er. Doch der sympathische Arzt vor mir erklärt, dass es ja Studien gäbe, die besagen, dass ein Anteil von 27 % Frauen in der Unternehmensleitung positiv für das Unternehmen seien. Kommt einem die Situation nicht total klischeehaft vor? Wir leben eben die Märchen, fällt mir ein. Wie viele Männer haben jetzt Angst vor der weiblichen Doppelspitze Kraft-Löhrmann in NRW?


Und man schießt sich wieder auf die neue Regierung ein. Was hab ich nicht schon gehört: Kaffeekränzchen, Oje statt Oha, herzliche Umarmungen, Gelächter und vertraute Blicke … und das kann alles so schnell bei einem Machtkampf kippen.

Hannelore Kraft wird vom Spiegel auf eigentümliche Art vorgeworfen, dass die Ämter des neuen Kabinetts ausgeglichen verteilt wurden. (?). Man stellt weiterhin fest, es sei ein Kabinett der Nobodys. Und die weibliche Doppelspitze wird in dem Leitmedium (!) schnelll und lässig ein Damen-Doppel.

Nicht nur dem hanseatisch herrschaftlichen Journalismus fehlen wohl die Bundespolitiker und Wirtschaftsspezialisten, aber den meisten BürgerInnen fehlt bei der neuen Regierung in NRW noch viel mehr die Konzentration auf eine Spitze. Denn dieses Land braucht ja Führung. Und Frauen geben nach weitverbreiteter Meinung halt keinen guten Führer.

Aber die Kabinettsmannschaft darf und soll kritisiert werden. Ein Beispiel: Harry Voigtsberger, jetzt Chef des Wirtschafts- und Energieministerium, war bisher Direktor beim Landschaftsverband Rheinland. Er ist sicherlich weit entfernt von seinem ersten beruflichen Umfeld. Er ist studierter Flugzeugbauingenieur, hat aber die Wende zu Politik-, Wirtschafts- und Erziehungswissenschaften vollzogen. Allerdings war sein Aufgabenfeld beim LVR mehrere Jahr das Amt des Kämmerers und Baudezernenten. Er wird rechnen können. Und vielleicht bringt er eine neue Sichtweise auf die Situation der NRW-Wirtschaft in das Amt. Die große Frage ist, lässt er sich von RWE, EON oder anderen starken und mächtigen Unternehmensgruppen gängeln oder wird er den wichtigen Kleinunternehmern und dem Mittelstand die Chancen geben, die sie jetzt bitter nötig haben. Zum Wohle einer funktionierende Wirtschaft! Kann er die Energiewende vorantreiben gegen zwei der wichtigsten Vertreter der Atomlobby?

Das Problem, ein Kabinett mit den richtigen Personen zu besetzen, bleibt: Es fehlt der SPD und den Grünen in wichtigen Bereichen der Politik das professionelle Personal. Das geht anderen Parteien nicht anders. Waschechte Unternehmer, die sich einbringen müssten, haben nunmal große Probleme mit Parteien, ihren Gremien und der deutschen Politikkultur. Auch wenn diese Unternehmer grüne Unternehmer sind, es bleibt die immerwährende Barriere der ausufernden Diskussionpflege, obwohl Deutschland und die Welt sich in einer Krise befinden, die keine zeitlichen Spielräume mehr bietet.

Zum Schritt, die Regierung in NRW zu bilden, kann man Frau Kraft nur Respekt zollen. Sie kennt die Probleme und Risiken besser als alle Journalisten und solche, die sich so nennen mögen.

Geben wir Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann eine Chance. Mag sein, dass diese schwierige Regierung in kurzer Zeit besser dasteht als die Bundesregierung. Mehrheiten reichen nicht aus, um gute Politik zu machen.

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