Umwelt - 08.07.10 -

Juristen-Jagd auf Journalisten

Was unter den Ölteppich gekehrt werden soll

Protest gegen BP wegen der Ölkatastrophe im Golf von MexikoDas unerschöpflich scheinende Öl-Leck im Golf von Mexiko ist eine riesengroße, täglich weiter ausufernde Schweinerei, für die BP die alleinige Verantwortung trägt.

Aber damit nicht genug. Jetzt gesellt sich, vor diesem katastrophalen Hintergrund zur Schande des dem Untergang geweihten Mineralölkonzerns, eine weitere Sauerei unglaublichen Ausmaßes: Zensur.

Noch vor einem Monat wurde den Medien vom National Incident Befehlshaber Admiral Thad Allen zugesichert, dass sie uneingeschränkten Zugang zu allen durch die Explosion der Deepwater Horizon verursachten Ölpest-Zonen haben sollen, um ungehindert zu berichten. Nun ist dieser Erlass plötzlich nichts mehr wert und wird auf Veranlassung der Küstenwache seit vergangener Woche ins Gegenteil verkehrt.

Statt Aufklärung ist nun Verklärung angesagt, statt offener Berichterstattung heißt es nun Androhung von Strafverfolgung für Journalisten, die sich den ölverseuchten Bereichen in unangemessener Weise (?) nähern. Bei Zuwiderhandlung werden Journalisten 40.000 $ Geldstrafe angedroht und sogar ein bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Bannmeilen und Juristen-Jagd auf Journalisten sind also jetzt angesagt – das schlägt noch dem letzten maroden Ölfass den Boden aus. CNN-Mann Anderson Cooper bezeichnet die neue Regel als Verbannung der Reporter von “anywhere we need to be.” Nun soll also auch noch der große Öl-Lügenschleier alles verdecken, was ans Tageslicht gehört.

Ölkatastrophe und die Folgen

Die Macht der Bilder: BP will Berichterstattung verhindern © Marinephotobank

Offenbar sollen die Medien sich doch lieber wieder den Kapital-Interessen zuwenden als den Qual-Darstellungen unzähliger Kreaturen. Wahrheit und Klarheit über den Verursacher der größten Umweltkatastrophe aller Zeiten sind schon wieder weniger wichtig, als Nachrichten über BP als Zockerobjekt internationaler Finanzspekulanten. Aber nicht der drohende Bankrott des Konzerns oder Dividendenstreichungen für Aktionäre sind beklagenswert, sondern das Leid all der elendig verenden Geschöpfe mit Lebensräumen im oder am Meer und die Sorgen all jener, deren Existenz genau dadurch bedroht ist.

Zu verhindern ist unter allen Umständen, dass sich an diesem Desaster mal wieder skrupellose Geschäftemacher bereichern und ihre unersättliche Profitgier stillen. Jeder, aber auch jeder BP-Cent muss zurückfließen in die Regeneration und Wiederherstellung der zerstörten Natur und in die Taschen all jener Menschen, die durch die Folgen dieser Ölseuche ihrer Existenzgrundlagen beraubt werden. Da sei Obama vor und Greenpeace und wir alle miteinander mit unserer Wachsamkeit. Allen voran engagierte Presseberichterstatter, die diese trübe, trostlose Brühe mit ihren tonnenschweren Ölklumpen durchschauen.

Die aktuellen Strafandrohungen sind im Hinblick auf schonungslose Aufklärung nichts anderes als „Schmier”-Gelder für gewissenloser Rechtsverdreher, die um jeden Preis investigativen Journalismus verhindern sollen. Aber genau diese mutigen Berichterstatter werden jetzt besonders dringend gebraucht, damit auch nicht ein Tropfen Versagen von BP oder anderen unter den furchtbaren Ölteppich gekehrt werden kann.



1 Kommentare zu “Was unter den Ölteppich gekehrt werden soll”

Roland Knabe am 13. August 2010 23:51

Lt. Internet gibt es zwei Bohrlöcher! Frage welches wurde verschlossen und wie lange will mann uns noch für Dumm verkaufe? Aber den Medien geht das auch schon wieder am A…… vorbei denn lesen kann mann so gut wie nichts mehr, immer nach dem Motte ” lassen wir Gras über die Sache wachsen” Ich hoffe nicht das wir die Auswirkungen nächstes Jahr bei uns an den Küsten haben! Im Nahrungskreislauf ist es auf alle fälle! Kommt BP dafür auch auf?

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