US-Songwriter glänzt mit Coverversionen
Marc Cohn würdigt das große Musikjahr 1970
Erinnert Ihr Euch auch noch so gerne an Songs wie „Walking in Memphis” oder „Silver Thunderbird”? Wow!, dachte ich damals, als das erste Album von Marc Cohn erschien, das sind mal klasse Songs und eine tolle, markante Stimme. Das Debütalbum des sympathischen Amerikaners war 1991 eines der ganz großen Highlights, das ihm völlig verdient auch gleich den Grammy für den „Best New Artist” einbrachte. Denn das unbetitelte Album war neben den besagten Ohrwürmern voller weiterer erstklassiger Songwriting-Nachweise wie etwa „Dig Down Deep”, „Walk On Water” oder das wirklich grandiose „Strangers In A Car” – eine sehr melancholische philosophische Lebensbetrachtungsskizze, die mir noch heute bei jedem Wiederhören Gänsehaut verursacht. Leider ist Marc Cohn danach – trotz nach wie vor sehr guten Alben wie „Join The Parade” aus dem Jahr 2007 – doch sehr in Vergessenheit geraten. Ich bin mir allerdings sicher, dass sich das mit dem für den 20. Juli angekündigten neuen Album „Listening Booth:1970″ wieder ändern wird. Und das, obwohl keiner der Songs aus der Feder des Songwriters selbst stammt.
Marc Cohn würdigt auf seinem jüngsten Werk das große Musikjahr 1970, das auch für ihn eine Art Erweckungserlebnis gewesen sein muss. Jedenfalls schwärmt der Künstler dermaßen von seinen Erinnerungen, als man in den Staaten noch in schalldichten Kabinen Musik probehören konnte, und auch von seinen bei dieser Gelegenheit gemachten Entdeckungen wie Van Morrison, Joni Mitchell oder Jackson Browne, dass einem schnell klar wird, wie viel Sinn eine solche zeitliche Fixierung macht.
Die Entscheidung, nur Songs aus diesem Jahr 1970 aufzunehmen, erweist sich als eine Auswahl von erlesener Qualität. Mit den zehn Songs, die Marc Cohn für „Listening Booth:1970″ gecovert hat, beweist der Sänger exzellenten Geschmack und drückt einigen dieser Evergreens mit seiner markanten Stimme einen neuen Stempel auf. Die Liste der Klassiker liest sich wie das Who is Who dieser Musik-Ära: Paul McCartney, John Lennon, Cat Stevens, Van Morrison, John Fogerty and CCR, Smokey Robinson, Joe Cocker, Simon & Garfunkel, Eric Clapton.
Ganz wunderbar z.B. seine Interpretation von Cat Stevens „Wild World,” das Cohns kongenialer Producer-Partner John Leventhal mit einem leichten Groove beschwingt ohne ihm die Besinnlichkeit zu nehmen. Der ebenfalls Grammy dekorierte Ehemann der Songwriterin Shawn Colvin hat in diesem Jahr ja bereits mit dem fabelhaften „The List” von Rosanne Cash ein herausragendes Cover-Album produziert. Einen Eindruck von der Zusammenarbeit der beiden gibt dieser Trailer, den Cohns Label Saguaroad veröffentlicht hat:
Auch dem seinerzeit schon mitreißend von Joe Cocker dargebotenen „The Letter” gibt Cohn mit seinem Timbre noch etwas Besonderes mit. Und all den anderen Songs hat er sich mit der gleichen Liebe und Hingabe gewidmet. Man darf sich also auf ein Album freuen, bei dem es viele „Old Friends” wie die Harmonie-Ikonen Simon & Garfunkel wieder und neu zu entdecken gilt. Ich spekuliere mal, dass „Listening Booth: 1970″ unter den zahlreichen Cover-Alben dieses Jahres (u.a. Peter Gabriels „Scratch My Back“-Projekt, auf dessen zweiten Teil wir auch gespannt warten) ganz weit vorne in der Gunst des guten Geschmacks sein wird. Zu gönnen ist es Marc Cohn auf jeden Fall.
www.marccohn.net
www.myspace.com/marccohn
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