Vorbei mit We Say Die!
Emotional Wave – You Say Party!
Wie gut, dass der Ohrtrommler doch noch ein paar Tage gewartet hat, Euch ein neues Album vorzustellen, das sehr zu loben ist. Allein habe ich innerlich gezuckt, ob und wie ich den Bandnamen You Say Party! We Say Die! wohl mit der tragischen Nachricht in Verbindung setzen soll vom Tod des Schlagzeugers Devon Clifford, der am 18. April dieses Jahres einem Hirnschlag erlag, der ihn während eines Konzertes auf der Bühne ereilte. Das erschien mir irgendwie makaber und den Mitgliedern der kanadischen Band wohl auch. Denn gestern teilten sie ihren Fans und der Presse mit, das sie ab sofort auf den zweiten Teil des Bandnamens verzichten und sich nur noch You Say Party! nennen. Eine weise und würdevolle Entscheidung, die unsere Zustimmung findet ebenso wie das gerade von Snowhite veröffentlichte neue Album „XXXX”, auf dem Devon Clifford mit seinen Beats viel zum Gelingen beigetragen hat.
Vor der Review zunächst hier Originalton der Band zur Entscheidung, weiterzumachen unter verkürztem Namen: „We have talked at great length with each other and our families and friends about the future. Devon’s parents have encouraged us to continue on and given us their blessing. It is their opinion (as well as ours) that Devon would never have wanted his death to end the band. He would have wanted us to continue on.” Und weiter heißt es in dem offenen Brief: „Out of respect for Devon and the evolution of life, today we announce that we will no longer be known as “You Say Party! We Say Die!” but instead as simply “You Say Party”.
Und nun zum Album selbst, das ich gleich beim ersten Anhören in mein Herz geschlossen habe, weil es alles hat, was ich mag. Retro und Moderne in nahezu perfekter Einheit mit vielen Referenzen an die Achtziger als da wären knackige Riffs, pralle Basslinien, zackige Beats, schöne Keyboard-Tupfer und ins Ohr gehender Gesang. Gespickt mit tollen Wave-Zitaten ohne dass You Say Party! irgendwen oder irgendwas kopieren würden. Auf dem XXXX-Album trifft die beschleunigte Coolness von The XX (ja kein Zufall) auf die rotzigen Grooves von Gossip. Und es tauchen im Gehörgedächtnis einige gute alte und liebe bekannte auf wie etwa The Cure, die Young Marble Giants und auch ein Hauch B 52´s. Ach ja und dann fallen mir noch Gruppo Sportivo ein, eine leider kaum bekannte, kauzige niederländische Wave-Band, die 1981 mit dem vortrefflichen „Pop! Goes The Brain” ein ähnlich schmissiges Werk ablieferten. Wahrlich keine schlechten Assoziationen.
Ganz formidabel ist die Single “There is XXXX (Within My Heart)”, die sich sofort ins Ohr schraubt mit dem subtilen E-Piano-Auftakt, der Stimme von Sängerin Becky Ninkovic und den sich dazu gesellenden scharfen Saitenschneidern von Derek Adam. Love Love Love klingt mir da einige Dutzend Male entgegen und ich stimme zu. Sofort verliebt in diesen Song und alles, was da noch kommt. Der Dance Punk als Gattung wird auf „Glory” richtig deutlich, bevor in „Dark Days” die Vorliebe für etwas dunklere Töne zu Tage tritt, die auch der Titel des Song sehr gut trifft. Dieser Hauch Gothic macht die eigentliche Stärke von You Say Party! aus, die mich von da an – nicht zuletzt wegen der großen stimmlichen Nähe – an eine andere große Adresse der Achtiger verweisen: Siouxsie And The Banshees. Ja, dieses Album hat viel von den großartigen Songs auf Siouxsies Meisterwerken wie „Juju”, „Peep Show” und vor allem „A Kiss In The Dreamhouse”.
Weiter im TeXXXXt. Auf „Cosmic Wanship Avengers” trommelt sich Devon Clifford mit strammem Tempo nachhaltig ins Gedächtnis. Und Rhythmusfraktion, Gesang und Gitarrenarbeit in tollem Einklang erleben wir auf „Lonely´s Lunch,” einem der Höhepunkte des Albums, das mich spätestens hier vollends gepackt hat. Sehr intensiv und kreativ, ein junges Juwel des Genres. Die fette, markante Basslinie von „Make Xxxx” lässt mich an die rauen Anfänge von The Cure denken. Mit Ultravox-Synthies schwebt „Laura Palmers Prom” herein, ebenfalls von The Cure beflügelt – einfach mal auf die Gitarre achten. Aber wie gesagt, You Say Party! sind keine Kopisten, sondern eine eigenständige Band mit einem eigenen Sound wie auf dem quicklebendigen „She´s Spoken For.”
Als nächstes pulsiert und vibriert „XXXX/Loyalty” durchs Gehör und macht sich mächtig breit mit seinen Gitarrenwänden und dräuendem Pluckern. Das Finale „Heart of Gold” setzt ein hymnisches Ausrufezeichen hinter ein sehr gelungenes Album, dass allen Wave-Fans dringend ans goldene Herz gelegt sei. Und mit Blick auf das schmerzlich vermisste Bandmitglied ist das eine lebendige Erinnerung an den verstorbenen Drummer und der Albumtitel lässt sich dann als „There is DEVON (Within My Heart)” lesen.
yousaypartywesaydie.ca


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