Prachtvolles Rockalbum
Grandioses Spätwerk von Tom Petty
Gleich vorweg die erste große Lobeshymne auf Tom Petty and The Heartbreakers und deren neues Album ”Mojo”, das bei mir seit zwei Wochen auf Heavy Rotation läuft. Dieses Opus ist ein Rock and Roll Album aus einem Guss und ein absolutes Muss für alle, die ehrliche, geradlinige Typen und richtig gute, handgemachte und handwerklich perfekte Rockmusik lieben. Denn hier findet man, wie auf eine Schnur gezogen, 15 schillernde Perlen, die dieses Werk mindestens auf das Niveau der besten Bruce Springsteen Werke heben. Auf jeden Fall ist “Mojo” ein Meilenstein in der fast 35jährigen Karriere von Thomas Earl Petty, der am 20. Oktober 60 Jahre alt wird, und seinen kongenialen musikalischen Herzens-Gefährten. Absolute Extraklasse ist dieses Album, das nicht allein durch seine durchgehend fabelhaften Songs besticht, sondern auch durch Vielseitigkeit und Abwechslungsreichtum und eine Reihe gelungener Querverweise zu anderen Größen des Rock.
Einen Stern auf dem Walk Of Fame hat Tom Petty bereits. 2002 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, sein “American Girl” ist einer der meist geliebten und gespielten US-Songs überhaupt (der es sogar bis ins “Schweigen der Lämmer” gebracht hat) und Alben wie “Into The Great Wide Open” oder “Wildflowers” sind Meisterwerke des Songwritings, mit denen sich nur noch Ikonen wie Bob Dylan und eben jener “Springsteen messen können. Doch – bei allem Respekt für Bruce – ich neige dazu, “Mojo” allen noch so guten Springsteen-Alben vorzuziehen.
Es ist ein mitreißendes Werk ohne auch nur das geringste Anzeichen irgendeiner Schwäche, das über eine Stunde lang alles hat, was das große Rockmusikherz begehrt. Angefangen beim “Jefferson Jericho Blues”, mit dem Petty und die Heartbreakers eine erste Schweiß treibende Visitenkarte ihres großen Könnens abliefern. Quick and dirty – ein Bluesrocker vom Feinsten. Schon ist man mitten drin und voll dabei. Eine erste mächtige Hymne nimmt zwar kurz etwas Tempo raus, zeugt dabei aber doch von ungeheurer Dynamik. “First Flash Of Freedom” knüpft an die Wahnsinnballaden von “Wildflowers” an und bohrt sich tief ins Gehör. Gleich drauf quengelt ein sattes Bluesrock-Riff um die Ecke und schiebt “Running Man´s Bible” an, in dem sich bissige Riffs, geile Orgelvibes und subtile Saitenzupfer gegenseitig hochpushen. Was für ein toller Rocksong.
Schon ist die Begeisterung auf dem Höhepunkt, doch die steigert sich für Kenner der Rockhistorie gleich nach den ersten Takten von “The Trip To Pirate´s Cove”. Denn dieser shuffelnde Blues weckt unmittelbar Erinnerung an einen der ganz Großen der Bluesgitarre – Peter Green. Diese Referenzen an “Slabo Day” und “In The Skies” sind superb und machen Lust, das gleichnamige Album des ehemaligen Fleetwood Mac mal wieder aus dem Vinyl-Regal zu ziehen. Es folgt knochentrockener Rock and Roll: “Candy” – ein Zuckerstück, das seinem Titel alle Ehre macht. Die darauf folgende Ballade schenkt eine kleine Ruhepause und verweist dabei auf Toms Vorbild und Freund Bob Dylan. “No Reason To Cry” ist zum Heulen schön und steht den Slow Songs von “Holy Bob” in nichts nach. Ja, Petty ist ein Könner vor dem Herrn, der eigentlich auch so einen Heiligenschein wie sein Buddy verdient hätte.
Auf “I Should Have Known It” lässt Tom wieder die Gitarren und eine erstklassige Rhythmus-Fraktion von der Kette. Klingt wie Led Zeppelin zu ihren besten Zeiten, rau, elegant, schlüpfrig – sehr sexy. “U.S. 41″ treibt sich in den Baumwollfeldern rum und ist feinster Südstaaten-Bluesrock mit Steel-Appeal, voller Schwüle und Gelassenheit. Dann frönt Petty ganz dem Blues und wildert mit “Takin´ My Time” brillant in den Gefilden von Muddy Waters, John Lee Hooker und B.B. King. Schon lugt der nächste Bekannte zur Tür rein. “Let Yourself Go” hat die Beschwingheit und den unverkennbaren Shuffle von J.J. Cale. Willkommen in dieser illustren Song-Gesellschaft.
Es ist nicht zu fassen. Jetzt spielt Tom Petty sogar noch den besten Rock-Reggae, den man sich nur vorstellen kann. “Don´t Pull Me Over” ist ein ganz prächtiger Song für die Ewigkeit mit seiner zugleich lichten und dichten Struktur, dem Sonnenschein in Stimme, Riffs und Drums, mit glockenhellen Keyboards und famosem Gitarrensoli. Wer da keinen Joint zur Steigerung klanglich berauschter Glückseligkeit rauchen will, dem ist nicht zu helfen. Da wird sich der wunderbare Bob Marley auf seiner großen Hanf-Wolke aber mal richtig freuen über diese Reminiszenz.
Wieder so eine schwer atmende, Blues getränkte Hymne folgt mit “Lover´s Touch”. Stilistisch nahe dran, nur etwas mehr Uptempo rocken sich die Heartbreakers mit ihrem Mastermind durch “High In The Morning”. Und dann holt Tom Petty mich endgültig von den Beinen und zwingt mich in die Knie, um ihm zu huldigen. “Something Good Coming” ist ein so was von schöner Lovesong, das man es kaum glauben mag. Vier unter die Haut gehende Minuten großes ehrliches Gefühl. Baut dem Mann ein Denkmal in seiner Heimatstadt Gainesville, Florida. “Good Enough” als gewaltiges Rockepos mit vor Begeisterung und Leidenschaft schreienden Gitarren zum Abschluss ist keine Frage, sondern die ultimative Antwort. Mehr als gut genug. Das Ausrufezeichen hinter 15 gnadenlos gute Songs. Besser und treffender kann das legendäre Zitat von Neil Young “Rock And Roll Can Never Die” musikalisch nicht belegt werden.
Ich empfehle für filigrane Ohren übrigens die Blue Ray Audio-DVD mit 5 der Songs als Sourround-Sound-Extras. Und das vollkommene Tom Petty Glück stellt sich dann ein, wenn man sich “The Live Anthology” gönnt – ein liebevoll gestaltetes und prallvoll gefülltes Box Set, das dann auch noch nachhaltig beweist, was für eine exzellente Live-Band da am Werke ist.
Fazit: “Mojo” wird in meiner persönlichen ewigen Bestenliste einen Ehrenplatz erhalten. Das bei weitem beste Old School Rockalbum seit langer langer Zeit, das Tom Petty and The Heartbreakers endgültig unsterblich machen sollte. Und darum ist dieser großartige, zudem noch sehr sympathische, geerdete Musiker für mich ab sofort der “Boss”!
P.S.: Leider sind die aktuellen Videos zu “Mojo” in Deutschland bis auf diesen Tom Petty Player derzeit nicht verfügbar. Ich empfehle Euch die Homepage von Petty und Euch dort das Making Of des Albums sowie einzelne Song-Videos anzuschauen. Hier aber ein kleiner Leckerbissen von Tom zum ebenfalls exzellenten Album mit Mudcrutch:
www.tompetty.com
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