Lena, Lena über alles
Lena und ihr Cassettenspieler
Ja, auch wir lieben selbstverständlich Lena Meyer-Landrut (siehe unsere zahlreichen Lobeshymnen)- keine Frage. Und nichts liegt uns ferner, als diesem zauberhaften, selbstbewussten, schlagfertigen weiblichen Wesen, ihrem Mentor Stefan Raab oder Euch und den vielen anderen Fans auch nur irgendwie weh zu tun.
Aber so wunderbar der betäubende Wein und sein Rausch auch sein mögen, wir können es Euch nicht ersparen, etwas Wasser in den edlen Tropfen zu gießen. Und das betrifft das Album “My Cassette Player“, das bei allem – mittlerweile auch internationalen – Hype und Erfolg am Ende doch bestenfalls Durchschnitt ist.
Was – um es gleich zu sagen – nicht Lenas Schuld ist, sondern die derjenigen, die dann für den Erfolg mal ganz auf die Schnelle und doch reichlich lieb- und leblos ein komplettes Album durchkomponiert haben, wobei manche Songs echt Massenabfertigungsware aus dem Computer sind. Das ist mitunter ein Pling-Plang-Plong-Soundschleifen-Gedödel, das kaum auszuhalten ist.
Kurzum: Man hat Lena keinen wirklichen Gefallen damit getan, quasi zwischen Tür und Angel zum Mega-Star-Dasein ein Bündel zumeist belangloser Lieder einzusingen, die der Welt besser erspart geblieben wären. Außer Zweifel stehen die drei seinerzeit für die deutsche Competition ausgewählten Songs, die zeigen, was insgesamt möglich gewesen wäre mit ein wenig mehr Bedacht. Mit diesen Highlights können auf My Cassette Player aber nur noch das sehr charmante “Not Following” und “Mr. Curiosity” sowie das ebenfalls für Lena maßgeschneiderte “I Just Want You Kiss” mithalten.

Songs wie “I Like To Bang My Head” sind – mit Verlaub – hingegen echte Zumutungen – richtiger Müll. Und gerade bei überwiegend schlechten Songs merkt man dann auch, dass Lena das eine oder andere Mal stimmlich überfordert ist. Da hätte Jennifer Brauns Stimme mehr rausholen können. Wie dem auch sei, der Karriere von Lena wird das in diesem Stadium der besinnungslosen Begeisterung keinen Abbruch tun, bei ihrer starken Persönlichkeit schon gar nicht. Aber man würde sich für die Zukunft dieser Sympathieträgerin dann doch wünschen, dass man bei ihrem zweiten Album mehr Sorgfalt auf nachhaltige Klasse legt als auf die schnelle Kasse. Das hätte der Sonnenschein aus Hannover nämlich verdient.
Ich weiß natürlich, dass das in all der Euphorie niemand wissen und noch weniger wahr haben will, und dass mich die wüstesten Beschimpfungen und Verwünschungen und Belehrungen treffen werden, wie großartig dieses Album in Wahrheit doch ist. Ist es aber nicht. Punkt. Lasst Euch das von einem Musik-Connaisseur gesagt sein. Nichts für ungut!
Oder seht Ihr das ganz anders? Dann lasst es uns im Kommentar wissen.
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