Cool ohne Freiheit
Apple: Mit dem iPad auf die dunkle Seite der Macht
Endlich ist es der 28. Mai 2010 und Menschenschlangen warten auf das wundersame iPad. Der Marktwert von Apple liegt höher als der Microsofts: Apple gilt als weltgrößtes Technologieunternehmen. Jünger folgen dem schwarzgewandeten Verkaufspriester und Egozentriker Jobs in ein Reich der abgeschlossenen Inhalte.
Freudig stürzen sich die User in ein geordnetes, kontrolliertes Medienimperium. Das Versprechen der Coolness, des beruflichen und gesellschaftlichen Überlebens mit dunkler Attitude gibt den Haltlosen Halt. Hier werden die Ablassbriefe einer digitalen und brutalen Weltvision verkauft.
In den Nobel-Italienern halten Manager neckisch das iPhone, digitale Sklaven der Medienindustrie kramen lässig ihr Teil aus dem Crumbler und japanische Teenies spielen auf 5 iPhones Hollywoodschlager nach. Die Welt ist schön. Und das iPad wird sie noch schöner machen.
Denn es beginnt jetzt der Siegeszug des neu reglementierten Medienverhaltens. Denn iPad nutzen heißt konkret: Die großen Medienunternehmen werden Zugang zu diesem Consumer-Gate haben. Und mit diesen wird es während der Planungsphase schon Absprachen gegeben haben. Ich frage mich wirklich, wo der Protest aus der Blogger-Szene bleibt?
Hier wird ein Markt an die Großen verteilt, wenn die Zugangsbedingungen für Internetportale bei den bekannte Richtlinien bleiben sollten. Werbeeinnahmen sollen mit Apple geteilt werden. Es findet eine totale Kontrolle der Werbeschaltung statt (darum kein Flash mehr!?). Wer in dem Mediendeal mitspielen will, muss mindestens mit 1. Mio $ einsteigen (Wall Street Journal). Ansonsten wird man sich die geringen Erlöse mit einem Zwischenhändler teilen müssen. Dies ist eine klare Marktbereinigung. Kleine Medienportale und Blogs werden hier verdrängt. Kleinen Mediaagenturen werden die Applemedien de facto verschlossen bleiben Und diese Struktur ist bekannt. Wer als Kreativer/Musiker unabhängig arbeitet oder bei einem kleinen Label ist, kann seine Lieder auch nur über einen Zwischenhändler in den iTunes-Store laden. Dort werden die Songs teils unter Einkaufspreis (Preise der Majors) verkauft. Den meisten Musikfans ist es ja auch egal, ob Musiker genug Geld zum Leben verdienen. Apples Image bleibt unangetastet: die Öffentlichkeit und die Programmierer lassen sich von der relativ guten Beteiligung an den Erlösen der Apps im Appstore blenden.
Ja, lieber Steve Jobs, Du willst offensichtlich mit einem sehr zweifelhaften Image in die Geschichte eingehen. Wir haben in Deutschland eingehende Erfahrung mit Leuten und Anhängerschaften, die Schwarz trugen. Du hast von den großen Verführern gelernt. Die Blaupausen von Kirchenorganisationen, Diktaturen und Herrschern jeder Art sind ja auch das Rüstzeug jedes guten Marketing- und Werbeprofis.
Gibt es Rettung für Apple? Apple wird wohl keine Rettung wollen, denn materiell ist das neue Businesskonzept ja vielleicht die Rettung. Man kann ohne Wehmut den alten Markenkern über Bord werfen und seine Orientierung allein am Aktienmarkt suchen. Auf Wiedersehen „Think Different!” Was gehen Steve die kreativen Köpfe der frühen Jahre an? Warum sollte man ein Werbemodell aufbauen, an dem jeder teilnehmen kann (wie z. B. Google AdWords)? Nein, nein: Apple ist Elite. Heil Dir im schwarzen Rollkragenpulli!
Ach ja, fast hätt’ ich’s vergessen … in China bringen sich die Arbeiter, die iPhones und iPads herstellen, um. Ihr materielles und arbeitsrechtliches Elend lässt wohl keine Grausamkeit aus. Da kann man ja nur allen Apple-Jüngern viel Spaß mit ihrem günstigen iPad wünschen!




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