Politik - 08.05.10 -

Wie die FDP Einfluss auf Kinder und Jugendliche nimmt

Jetzt geht’s nicht nur um die Wurst, jetzt geht’s um den kompletten Grill! Morgen wird in NRW gewählt. In diesem Zusammenhang ist oft interessanter, was die Kandiaten nicht sagen, als das, was sie sagen.

Zu erfahren sind von der FDP-NRW zum Beispiel jede Menge Zahlen, wie dass es „mit 100.000 Plätzen für Unterdreijährige (?) achtmal mehr Angebote für die Kleinsten (gibt) als 2005.” Wer das wohl versteht?

Über das Engagement für die schulische Ausbildung, das die FDP in die eigenen Hände nimmt, erfährt man hingegen nichts.

Oder hat jemand von der Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung reden hören, die kostenlose Unterrichtsmaterialien über Themen wie “Steuern kurios”, “Die Entwicklung des Rentenniveaus” oder auch ”Pro und Kontra Kernenergie” für die Sekundarstufen unters Lehrer/Schülervolk bringt?

In den vermeintlich überparteilichen und unparteiischen Materialien steckt eine Menge “freiheitliches Potenzial”. Den Kommentar zum Arbeitspapier ”Pro und Kontra Kernenergie” überlassen wir Spiegel online, der dazu schreibt:

„Die Schüler sollen “die Argumente in einer Tabelle nach ,Pro’ und ,Kontra’” ordnen. Sechs Zitate, satt gefüllt mit Fakten und Zahlen, sind schnell als Beiträge pro Kernenergie identifiziert. Die drei Gegenstimmen erschöpfen sich in schlichten Feststellungen wie jener des BUND: “In Deutschland brauchen wir die Atomkraft nicht, die erneuerbaren Energien können sie spielend ersetzen.”

Derart munitioniert werden die Schüler aufgefordert, die “eher schwachen” und die “überzeugenden” Argumente zu benennen. Und wer noch immer nicht vom Segen der Kerntechnik überzeugt ist, der wird sicher gleich bekehrt sein, wenn er in der folgenden Aufgabe “die Interessen der Arbeitnehmer” berücksichtigen soll.”

Und was haben die Freien Demokraten mit dieser Art der (Ver)Bildung zu tun? Hinter der Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung verbirgt sich ein kommerzieller Verlag, der zu 50 Prozent der FDP gehört.

Die FDP weiss ganz genau, was sie da tut. Die notorisch klammen Schulen greifen gern zu kostenlosem Unterrichtsmaterial. So gern, dass sie dieses Material nicht mal auf Neutralität und sachliche Richtigkeit prüfen. Und wenn dadurch Schüler möglicherweise politisch auf FDP-Linie geschult werden, wen kümmert’s?



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