Indianisch, Schamanisch, Magisch
Rauchzeichen von Klang: Woven Hand
Vorab, das hier wird keine der üblichen, oft empathischen und euphorischen Besprechungen, die Ihr vom Ohrtrommler aus heißer Liebe zur Musik gewohnt seid. Das hier wird eine Huldigung, tiefste Verbeugung und Kniefall, die Heiligsprechung eines zeitgenössischen Musikers, den ich seit Jahren verehre wie sonst nur noch Joe Henry und Bob Dylan. Der Mann heißt David Eugene Edwards (kurz DEE), seine Band Woven Hand und er ist der unumstrittene Hohepriester der Seelentiefen und deren spiritueller Vertonungen.
DEE hat neue, ungeheuer fesselnde Songs geschrieben und mit seinen langjährigen musikalischen Gefährten Pascal Humbert am Bass und Ordy Garrison am Schlagzeug sowie dem Keyboarder Jeff Linsenmaier, einem langjährigen Freund von Edwards, im blinden Vertrauen zu einem abermals hinreißenden Werk voller Leidenschaft eingespielt, das von einer fast manischen Intensität ist und aus dem ein wahres Soundgewitter tobt: “The Threshingfloor.”
Vom ersten Ton an ist da wieder diese einzigartige Atmosphäre, die diese Band wie keine zweite zu schaffen versteht. Dicht, düster, dynamisch, dräuend – melodisch magisch ist dieser Schmelztiegel aus Folk, Country, Americana und Rock, der aus dem Feuer des Erdinnern zu stammen scheint, eine brodelnde Lava von Sound – purer Magnetismus.
Allein die unterschiedlichen Vocal Patterns auf “The Threshingfloor” von gurgelnden Digeridoo-Stimmen über indianische Stammesgesänge bis zu aus dem Jenseits flehenden Growls sind so Atem beraubend, dass sie Ehrfucht gebieten und das andächtige Lauschen des Albums herausfordern. Man hat beinahe das Gefühl, als wandere Edwards hier die Songlines seiner Seele entlang, um erstens seine eigenen Grenzen abzustecken und dann darüber hinaus in neue Territorien vorzudringen.
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Zusammen mit den eindringlichen Rhythmen von Humbert und Garrison, wirksam eskortiert von Linsenmaiers Keys entfalten die diversen Saitenspiele von Edwards eine durchdringende Kraft und ungeheure Tiefe – einen stringenten Soundsog, dem man sich kaum entziehen kann. Am allerwenigsten beim überaus gelungenen Cover des New Order Songs “Truth,” das noch manischer daherkommt als das Original. Einer der vielen Höhepunkte im Werk von Edwards, das sich hier mit den großen Songs aus der 16 Horsepower-Zeit zu verknüpfen scheint. Nur einen Wunsch hätte ich da noch an DEE. Beim nächsten Album vielleicht dann ein Cover des “Idiot Waltz” vom großen Vorbild Jeffrey Lee Pierce. Das wäre dann wohl die endgültige Krönung.
Man erlebt wahre Sound-Séancen, die einen in Trance versetzen, ungeheuer archaisch wirkend und in ihrer spannungsgeladenen, elektrisierenden Dichte kaum zu übertreffen. Musik-Mantras, zu denen Manitu in den ewigen Jagdgründen um die Feuerstellen verlorener Seelen tanzt. Der nackte, schonungslos schöne Wahnsinn. Das ganz persönliche Melancholie-Reservat für den tapferen Indianer, der in meinem Herzen die Trommel schlägt und Rauchzeichen wie diese in die Welt sendet.
Sind Woven Hand möglicherweise die derzeit aufregendste Band auf diesem Planeten? Für den Ohrtrommler ohne jeden Zweifel!
Und ehe ich es vergesse: Glückwunsch auch an die Glitterhouse Records in Beverungen, zu denen Woven Hand nach dem einmaligen Ausflug mit “Ten Stones” zurückgekehrt sind in ihren Heimatstamm sozusagen. Eindrucksvoller hätte das Returning ins Resort nicht ausfallen können. Diese Veröffentlichung (10. Mai – da gibt es dann zeitnah auch ein Track-By-Track-Review auf zoolamar!) möge Euch weltberühmt und steinreich machen – Hugh!
Ein heiliger Bezirk für Hörer, die sich in der Musik Höhere Mächte erhoffen! Vorsicht – Extreme Suchtgefahr!
www.myspace.com/wovenhand


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