Politik - 30.03.10 -

Hohle Köpfe - Hohle Parolen

NRW Wahlkampf, Streifzug durch die Qualwerbung

Als wäre die anstehende NRW Landtagswahl nicht schon Qual genug, macht einem seit diesen Tagen die Wahlwerbung das Leben noch mal so schwer.

Jetzt muss man wieder wochenlang diese Aneinanderreihung von leeren Worthülsen und ausdruckslosen Masken ertragen. Eine profillose Meute von Leuten, die unsere Interessen vertreten sollen und nichts weiter anzubieten haben als blutleere Passfoto-Gesichter und noch blassere Polit-Platitüden, die die Einordnung als Botschaft erst gar nicht verdienen, schauen uns so hilflos wie planlos an, dass man gleich sämtliche Plakate durchkreuzen möchte.

Väterliche Langeweile

Jürgen Rüttgers Ministerpräsident NRW Wahl 2010Die Regierungsparteien der schwarz-gelben Landesregierung aus CDU und FDP schreiten dann auch im Gleichschritt der Belanglosigkeiten werblich voran und langweilen uns mit nichts an Konkretem zu Tode.

Irrsinnig aufregend die Landesvater-Inszenierung (scheußliche Vorstellung übrigens) “Unser Ministerpräsident – Kompetenz entscheidet.” Ja hallo, wer hätte das gedacht? Letzteres wohl kaum jemand. Sieht angesichts dieser Behauptung dann ja wohl so aus, als müsse man sich keine Sorgen machen, dass der Amtsinhaber Jürgen Rüttgers wiedergewählt wird.

Kommunikatives Regenwetter

Kommunikativ ganz daneben – wen wundert´s? – wie ihre oberste orientierungslose, unbelehrbare und jederzeit und überall gerne selbstgefällige Innen-außen-kanzler-minister-pseudostaatsoberhaupt-freiheitsstatue ist selbstverständlich die FDP. “Wissen schafft Zukunft” ist eine Aussage von der Tragweite und dem Erkenntnisgewinn wie etwa “Regen ist Wetter” oder “Schafe sind Tiere”- also gleich null. Lässt darauf schließen, dass es auch von Nullen ersonnen wurde.

NRW Wahlplakat FDP 2010Einen Slogan wie “Aufsteigerland NRW” kann dann ohnehin nur eine realitätsferne Partei unters seelisch sedierte und geistig umnachtete Volk bringen, die meilenweit von Hartz IV Ruhrgebietswelten entfernt ist und diese dann noch für Hochburgen der Dekadenz hält. Eher wird Nordrhein-Westfalen zum sozialen Aussteigerland als dass hier die ehrlichen Malocher wohlhabend und von den Liberalen so hofiert werden wie die dreisten Abzocker.

Bunte Belanglosigkeiten

NRW Wahlkampf Wahlplakat SPDDas Übel der SPD ist, dass sie statt endlich auch werbliche Befreiungsschläge zur dringend notwendigen Erneuerung und ursprünglichen Sozialorientierung zu landen, verderbliche Plakatware produziert, die zwar leicht verdaulich ist, aber eben nicht gehaltvoll, mögen die hehren Werte noch so groß und rot darauf prangen und die Menschen noch so sympathisch sein, es ist inhaltsleer und verursacht nur Gähnen, so wie Hannelore Kraft ihrem Namen in keinster Weise Ehre macht.

Massenkrampf

Die Linken greifen wie üblich in die Propaganda-Kiste der Beliebigkeit, Hauptsache es riecht nach Klassenkampf, ist aber de facto nur Massenkrampf, wenig dezidiert, uninspiriert. Kommunisten und Rebellen sind zwar irgendwie sympathisch in diesen Zeiten, aber eben leider nicht sonderlich kreativ und kaum bissig genug, um die Bürger vom bequemen Sofa auf die steinigen Straßen zu bringen und im Kampf gegen die Profiteure, BANKrotteure und Saboteure des sozialen Friedens zu vereinen.

Piraten ohne Enterhaken

Selbst die bei jungen Menschen mittlerweile beliebte Piratenpartei hat bei der Plakatauswahl wohl mehr als eine Augenklappe aufgehabt und ist auch textlich zum Entern der Parlamentsbänke eher ungeeignet.

Dass Rechtsradikale mit ihren verbalen Dumm-Dumm-Geschossen hier keine Plattform erhalten, versteht sich von selbst. Braun ist eben Scheiße und die gehört in die Schüssel!

Wahlkampf NRW Wahlplakat Die GrünenEinzig die Grünen besetzen mal wieder (wie auch schon bei der letzten Kommunalwahl) wirklich die Themen, die die Menschen interessieren und setzen dabei auch ihr kreatives Vorgehen fort. Bildungspolitik: “Banken, die wir fördern” kombiniert mit einer Schulbank. Umwelt- und Naturschutz: Das Bild von einem Baum mit der Aussage “Ihm können wir einfach nichts abschlagen” ist fokussierte und pointierte Wahlwerbung, die sich nicht in der Abbildung von Hohlköpfen verschwendet, sondern hinter Kernfragen kluge Köpfe vermuten lässt, die in der Lage sind, auch der Politik ein Gesicht und ein Profil zu geben, die zumindest bereit sind, auf unbequeme Fragen keine ausweichenden Antworten zu geben und perspektivisch zu denken und zu handeln – nachhaltig eben.

Eine streitbare Partei mit der Qualität zur Auseinandersetzung mit den Sorgen und Wünschen der Menschen ist eine wählbare Partei. Allen anderen sollte man ein großes Kreuz durch ihre Berechnungen machen und keins in den Wahlzettel!

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3 Kommentare zu “NRW Wahlkampf, Streifzug durch die Qualwerbung”

Tom am 31. März 2010 16:03

1. Will und soll er gar nicht sein.
2. Es gibt keine Objektivität!
3. Wenn schon nicht objektiv, dann wenigstens für die Guten!

Vielen Dank für die Kritik!

Marc am 31. März 2010 13:23

Uiuiui, der Artikel ist aber nicht sonderlich objektiv.

Alfred am 31. März 2010 13:19

Netter Artikel. Auf welche Plakate bezieht sich denn das Urteil zu den Piraten? Die haben ja mehrere sehr unterschiedliche.

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