Ganz großes Hörkino
Eine Traumfabrik namens Broken Social Scene
Was Hollywood für den Film, ist Toronto für die Musik. Jedenfalls seit es das Musik-Kollektiv Broken Social Scene gibt. Die haben sich vom Start weg in die Herzen aller Rockfans gespielt, die Ideenreichtum und Klangvielfalt zu schätzen wissen. Das Kollektiv um Kevin Drew und Brendan Canning ist eine wundersam sprudelnde Quelle an Kreativität und Originalität, die nicht zu versiegen, sondern sich ständig zu erneuern scheint. Musik aus dem Brunnen der ewigen Jugend.
„Forgiveness Rock Record“, das neueste Werk aus der kanadischen Klangschmiede ist ein weiterer Beweis für die Ausnahmequalitäten dieser Band der weit geöffneten Türen für alle Arten von Inspirationen und Künstlerkollegen wie etwa die fabelhafte Feist. Fast meint man, dass Broken Social Scene ein Dauerprojekt für moderne Jam Sessions sind. Alles klingt bei Ihnen so frisch wie gerade im Moment erfunden und spontan eingespielt. Wirklich ein seltenes Erlebnis in der Musik und ein großartiges allemal.
Eine Stunde Extraklasse an Songideen und Klangspielereien, subtilen Stilmischung und Grenzüberschreitungen. Herausragend für mich die subtilen, transparenten Drumparts. So nah habe ich Schlagwerk und Trommelkunst lange nicht wahrgenommen. Es gibt kaum einen musikalischen Ansatz, den man bei Broken Social Scene nicht findet. Alles wird miteinander verschachtelt, untereinander vertraut gemacht und dann sogar auch schon mal gegeneinander verwendet, wenn es sein muss, das heißt, dem Zweck dient und der ist letztlich immer: Musik ohne Netzt und doppelten Boden, artistische Höchstleistung mit allem Mut zum Risiko.
Exzellent auch die Arbeit von Produzent John McEntire (Tortoise), der alles auf diesem Wunderwerk einfach licht und leicht klingen lässt, wie von Zauberhand hingeworfen – unglaublich im Hier und Jetzt, frei, federnd, in permanenter Vorwärtsbewegung, optimistisch. Ob strahlende Gitarren, lächelnde Streicher, selbstbewusst fetzende Bläser, verspielte Pianos, nirgends auch nur die Spur von einer kranken Welt, wie „World Sick“ als erster Track suggeriert. Alles kerngesund und putzmunter und einfach formidabel.
Hier erinnert mich das Album mal an „2nd Wind“ von Todd Rundgren, ein leider oft übersehenes Classic Rock und Prog Konzept-Meisterwerk der frühen Neunziger, dann wieder an Steely Dan, die beim Hören wie Spurenelemente auftauchen und wieder verschwinden. Hier rauscht Prefab Sprout kurz zum Fenster rein und zur Tür wieder raus und lässt Frank Zappa und andere vertraute Musikfreunde rein und dann ist doch wieder alles ganz anders, ganz eigen, immer aber originell, überraschend, herausfordernd – Broken Social Scene, wie sie leiben und leben.
Hier eines ihrer kunstvollen Videos aus der Frühphase der Bekanntheit:
Es verbietet sich, einen der 15 großartigen Songs (Ach was! dieser 15 Autorenfilme im Songformat) hervorzuheben. Solchen Musik-Monolithen kann und darf man ohnehin nur am Stück die Würde erweisen, um sich hernach tief zu verbeugen vor Dank und Demut.
Für diese Band des kontrollierten Wahnsinns muss ein neuer Begriff her. Darum erlaubt sich der Ohrtrommler BBS mit einem persönlichen PPP-Qualitätssiegel zu versehen. Popsessive Paradise Prock nenne ich diese genialische, unkonventionelle und völlig unabhängige Art des Musizierens fortan, die einer neuen Freiheitserklärung gleichkommt.
Hören, Staunen, Raunen! Bravo Bravissimo!
www.brokensocialscene.ca
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Nachricht aus dem Norden
Der Countdown geht weiter... #4
Ganz wundervolle Folk-Perle

















