Musik - 07.03.10 -

Gute Musiknoten

Ein Paucker zum richtig Liebhaben

Wenn sich ein Paucker mit einem umfassenden Musikverständnis als „Miserable Junkie” präsentiert, hat das schon einen besonderen Reiz. Genauso klingt auch das Debütalbum des Stuttgarter Multi-Instrumentalisten und Sängers Paucker, der bei Kollegen wie Thomas D oder Joy Denalane bereits als Bassist und Background-Sänger etabliert ist.

Nun geht Paucker also solo unters Volk und überrascht vom Start weg als sehr versierter, routinierter und souveräner Songwriter, der in vielen Stilen zuhause und sicher ist. Was nicht verwundert, wenn einer wie er bereits im Alter von 9 alle Beatles-Songs auswendig singen konnte.

Und so präsentiert Paucker ein homogenes Album, das mit Electrosounds und Psychedelic Folk einen Reigen von Beat, Pop und Rocksongs anreichert, die teils im Rhythm ´n´ Blues wurzeln, mal ein wenig Jazz zitieren oder mitunter auch über einen Schuss Soul verfügen.

Mich hat der junge Mann gleich mit dem Auftaktsong „Sophie” am Haken, einer eingängigen und konzentrierten Ballade, die direkt aus einer vergangenen heilen Welt zu stammen scheint und im Mittelteil einen Hauch von „Lucy In The Sky With Diamonds” atmet. Schon hat Paucker meine ganze Aufmerksamkeit und Sympathie. Und er rechtfertigt den erworbenen Vertrauensvorschuss über die gesamte Albumlänge.

Ein fluffiger, wohl schmeckender Schokoriegel ist „Corny Song,” der gleich im Anschluss eine der vielen Stärken von Paucker deutlich macht. Unverkrampfheit und Entspanntheit. Der Bursche klingt so gelassen in dem, was er tut, dass man das aus seinen Melodien heraushört. Ein Kompliment, das man nicht so oft vergeben kann. Dann zieht das Paucker das Tempo an und groovt sich glatt in Chartnähe. „No No No” hat alles, was ein guter Popsong haben muss. Flottes Tempo, merkfähige Harmonien und einen Refrain zum Mitsingen. Schließlich noch ein paar Bläser und Stimmdopplungen, die den Song zum Ende hin noch mehr ins Gehör puschen.

Mit „God Has Gone On Holiday” hat Paucker einen zweiten Ohrwurm am Start, der nicht von ungefähr als Single ausgekoppelt wurde. Das versammelt Sixties-Stärken und hat Lenny Kravitz Style mit etwas weniger Gitarrenhummeln im Hintern, kombiniert mit einer nahezu euphorischen Gesangslinie. Ja, das ist ein Song von dem man sagen kann: Von vielen gelernt und doch ein ganz eigenes Ding draus gemacht. Hit!

Das rund einminütige Liebes-Intermezzo „That´s why” erwärmt kurz das Herz bevor Paucker sich durch „I Will Pay The Breakfast” shuffelt, einen Pop-Song, der mit allen möglichen Musikstilen flirtet von Country bis Funk, von Beat bis Soul. Locker aus den Saiten geschüttelt wieder mit sehr schönen Gesangslinien.

Auf einer perlenden Basslinie baut Paucker das psychedelische „Not A Nightmare” auf, das mich vom Songdesign abermals ein wenig an Lenny Kravitz erinnert. „Little Princess” widmet Paucker einer traurigen weiblichen Seele und webt ihr aus Pianoakkorden ein weiches Taschentuch zum Tränen trocknen und pfeift ihr Trost zu.

Sehr groovy kommt „Everyone Knows It” daher, zündet den Bass entlang von zuckenden Drumkerzen und verzerrten Gitarrenflammen an, die durch den Song züngeln. Heiß!

„There She Goes” und „How It Goes” führen das Wohlgefühl fort, das sich von Beginn an eingestellt – eine wirkliche Wellness-Platte, die uns so eine Art deutschen Eagle-Eye Cherry beschert, auch optisch irgendwie.

Zum Abschluss betört Paucker uns noch mit dem liebenswerten Pop-Walzer „Again.” Genau das wäre mein Wunsch, tu es bald wieder Paucker. Und tatsächlich, da hat er doch noch einen Bonus-Track versteckt, einen sanften instrumentalen Ausklang.

Ein kompaktes, dichtes Debüt, das sehr gekonnt Retro mit Zeitgeist mixt und dabei eigenständig bleibt und hohes Konsenspotenzial hat. Bis zum letzten Ton hat das alles Qualität, Charakter und Charme und dürfte sich schon bald in die Ohren und Herzen vieler junger bis mittelalter Menschen spielen.

Fazit: Paucker ist mit Sicherheit ein exzellenter Stil-Dealer, aber ganz gewiss alles andere als ein miserabler Junkie.

www.myspace.com/paucker



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