American Recordings
Johnny Cashs Nachlass „Ain´t No Grave”
Am vergangenen Feitag wäre der große Johnny Cash 78 Jahre alt geworden. Just zu diesem Zeitpunkt ist nun das sechste und – wie es heißt – definitiv letzte Album aus der mittlerweile legendären Serie seiner American Recordings unter der feinfühligen Produzentenregie von Rick Rubin erschienen. „Ain´t No Grave” lautet der Titel und die Country-Ikone rührt einen mit seinen letzten Aufnahmen ein weiteres Mal zu Tränen und setzt ein finales Zeichen von Unsterblichkeit.
Was für ein würdiger Abschied von dieser Welt. Wahrlich zum auf die Knie gehen und Gebete anstimmen ist, wie Cash im Titelsong das Unvermeidliche annimmt, sich ohne jede Furcht dem anvertraut, worauf er baut – ein Leben danach. Wie der Todgeweihte noch einmal seine gewaltige, aber bereits brüchige Stimme erhebt, um seinen gefestigten Glauben zu verbreiten, nötigt tiefsten Respekt und große Demut ab.
Weitere markante Eck- und Höhepunkte dieses Albums:
„Redemption Day” von Sheryl Crow erhebt Cash durch seine Interpretation in den himmlischen Adelsstand, wie es ihm auf den fünf American Recordings zuvor auch bereits bei den Vorlagen anderer Musiker gelungen ist. Rettung, Erlösung als eines der zentralen Motive in Cash´s Werk. Hier auf ebenso wundervolle Weise thematisiert wie in seiner grandiosen Coverversion von „Redemption Song” aus der Feder des unvergessenen Bob Marley, einem Bruder im Geiste.
Dass diese stämmige, knorrige und schließlich doch vom Leben gefällte Eiche vielen Jungen als Vorbild gelten kann, zeigt „Satisfied Mind.” Ein Plädoyer dafür, dass eine Besinnung auf Schlichtheit und Bescheidenheit zu wahrem Reichtum führt, wenn man mit sich und der Welt im Reinen ist.
Nicht mehr als einen Bibelvers auf den Lippen, dessen Thema die Auferstehung ist, besingt Cash seine eigene Seligsprechung, so scheint es in „I Corinthians 15:55,” dem allerletzten Song, den er im Studio aufgenommen hat. Und „Aloha Oe” schließlich klingt dann wirklich wie ein Last Farewell, ein ermunternder Abschiedsgruß, in dem keine Spur von Bitterkeit zu spüren ist, sondern die Leichtigkeit eines erfüllten und erlösten Lebens.
Selten hat ein Album mehr Traurigkeit und Trost zugleich verbreitet. Aber wer könnte nach dieser halben Stunde noch irgendeinen Zweifel daran haben, dass der Man in Black jetzt ein reines weißes Gewand trägt und ewig leben wird. In unseren Herzen auf jeden Fall. Wir brauchen nur täglich eines seiner Lieder zu hören und wir werden mitten im Gebet sein.
www.johnnycash.com
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