Musik - 09.02.10 -

Slum Poetry

Die Rückkehr des Spoken Word-Hero Gil Scott-Heron

Gibt es heute eigentlich noch ältere Menschen, denen auch rebellische Jugendliche in ihrem Sturm und Drang zu Füßen liegen?

Einen ganz bestimmt! Der schwarze Schriftsteller Gil Scott-Heron ist, was man ein echtes Vorbild der Subkultur nennt, obgleich ein studierter Mann. Aber einer, der den Klang der Straße und die Sprache der Slums kennt und liebt und in seinen Werken zum Ausdruck bringt.

Mit I’M New Here feiert der 60jährige, der früh mit Jazz- und Soul-Musik und wichtigen Protagonisten der Genres in Berührung kam, nun ein großartiges Comeback. Mit einem brodelnden Mix aus Soul, Funk, Jazz, Rap- und Hip-Hop-Anklängen, gelegentlich mit Electronica gekreuzt und mit kurzen reinen Sprechtexten durchsetzt.

Und hier singt er zwischendurch sogar richtig. Zum Beispiel auf „Me and The Devil“, einem verschleppten, wahrlich teuflischen fiebrigen Elektro-Blues oder „New York Is Killing Me“ mit mörderischen Clap Hands, Hinterhof Chorus Lines und sirenenartigen Keyboard-Sounds.

Existenzialistisch und pessimistisch angehaucht, aber nie resignativ wie vieles in seiner bereits seit 1970 währenden Karriere im Musikbusiness, aus dem Gil Scott-Heron sich aber Mitte der Neunziger Jahre zurückzog, um sich verstärkt wieder der Literatur zu widmen.

Highlights seines Schaffens sind das Alkoholmissbrach anprangernde „The Bottle“ oder die Kapitalismuskritik von „The Revolution Will Not Be Televised.“ Der Mann hatte im wahrsten Sinne des Wortes immer was zu sagen, das mehr war als musikalische Botschaften.

In Chicago geboren, in der Bronx aufgewachsen, sozialisiert durch Harlem- und Beatpoeten und beeinflusst durch die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung, schuf der Mann Literatur am Puls der Zeit, politisch und gesellschaftlich wachsam und relevant.

Eine glaubwürdige Stimme aus den Suburbs, die den Spoken Word Musiker zum Poesie-Papst für Rapper und Hip Hopper, vor allem aus New York und Chigaco werden ließ. Bei diesen hat er einen besonderen Stein im Brett und das liegt an seinem letzten, bereits 16 Jahre zurückliegenden gefeierten Album „Spirits.“

Darauf hatte Scott-Heron mit „Message To The Messengers“ einen Song, indem er junge Rapper dazu aufrief, Verantwortung für Ihre Kunst und die Community zu übernehmen.

„I´m New Here“ hat auch diese ungeheure Präsenz und Intensität, die einen packt, das ganze Album hindurch.

Das ist etwas für Freunde zwischen Stevie Wonders nachdenklicheren Songs, den Ur-Blues von John Lee Hooker und der beiden großartigen Spätwerke von Isaac Hayes „Branded“ und „Raw & Defined.“

Für Musikfreunde, die auch Hirneinschalter sind, ein Pflichtkauf!!! Das hier ist, warum Soul Seele heißt!!!



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