Emotionale statt radikale Wucht
Katatonia entschleunigen den Metal
Es gilt, mal wieder ganz schnell ein Versäumnis wett zu machen, dass dem Ohrtrommler seit dem Spätherbst anzukreiden ist. Jetzt aber nichts wie raus mit dem heißen Tipp, da gerade erst The Flare-Up! mit ihrer Herkunft und damit dem passenden Stichwort mein schlechtes Gewissen beflügelt haben: Schweden.
Genau daher kommen auch Katatonia und die haben Ende 2009 mit „Night Is The New Day” ein fantastisches Doom Metal Album geschaffen, das man als einen echten Monolithen des Genres einstufen muss.
Mikael Åkerfeldt, seines Zeichens Boss der wunderbaren Prog-Metal-Band Opeth (Natürlich Schweden!) bezeichnet dieses kolossale Mach-die-Nacht-zum-Tag-Werk der Landsmänner als das herausragende Metal-Album des gerade abgelaufenen Jahres.
Ich gehe da gerne noch einen Schritt weiter und erkläre das achte Katatonia-Album hiermit kurzerhand zu einem der Metal-Meilensteine der vergangenen Düsternis-Dekade. Sinistre Soundscapes in Zeitlupe auf Bütten aquarelliert statt aus Zorn in Beton gemeißelt.
Ein kompaktes, dichtes, ungeheuer melodisches und intensives Album, das einen knapp 50 Minuten lang mit seiner schwebenden Schwermut und psychedelischen Magie in Bann zieht. Ist das überhaupt noch Metal, wird manche Hardcore-Lederkutte jetzt skeptisch fragen?
Aber ja, kann man da nur antworten, denn Katatonia beherrschen alle Regeln und Elemente des Genres, schalten dabei aber Kopf und Herz ein und lassen nicht einfach nur den Haudrauf-Proleten raushängen. Sie schlagen mit ihren feinen Mitteln viel subtiler zu.
„Night Is The New Day” st auf angenehmste und hörbarste Weise endlich mal kein unbeherrschtes Berserker-Geknüppel, sondern eine höchst filigrane Keule, die einen mit größter emotionaler Wucht trifft und umhaut.
Über 11 Tracks hinweg ist das ein wilder, listiger Wolf im Schafspelz, bei dem man jeden Moment damit rechnen muss, dass er einen überraschend anspringt, um sich sogleich wieder freundschaftlich anzukuscheln.
Hymnisch groß ist diese Ausprägung von Doom Metal, deren Stärke es ist, nicht Macho-Macht zu demonstrieren, sondern menschliche Schwächen zuzulassen und zu zeigen.
Für Freunde von Opeth und My Dying Bride, aber auch für Verehrer von Black Sabbath zu Zeiten von „Sabbath Bloody Sabbath” und „Sabotage” eine gewaltige (nicht im gewaltsamen Sinn gemeint) und nachhaltige Hörfreude.
www.myspace.com/katatonia


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