Musik - 19.01.10 -

Gänsehaut im Rock-Olymp – Das Jeffrey Lee Pierce Sessions Project

Jeffrey Lee Pierce war einer jener raren, ganz besonderen Songwriter, den man nach seinem viel zu frühen und tragischen Tod mit nur 37 Jahren im Jahr 1996 ganz besonders schmerzlich und herzlich vermisst.

jlp

Einer wie Kurt Cobain, Ian Curtis, Jeff Buckley oder Jim Morrison – ein junger Wilder also, dem Rockfans unter der leider immer wieder treffenden Billy Joel Metapher “Only The Good Die Young” nachweinen können.

Warum dieser Verlust so schwerwiegend ist, belegt jetzt das so genannte Jeffrey Lee Pierce Sessions Project – eine namhafte Gilde von Indie-Musikern der Kategorie “Allererste Sahne”, die Pierce selbst ganz hoch geschätzt haben und ihm und seinen fabelhaften Songs nun auf dem Album mit dem wunderbar anthropologisch-philosophischen  Titel “We Are Only Riders” gerne die postume Referenz erweisen.

Gepriesen sei  vor allem Cypress Grove, der die Musik-Cassette mit der schlichten Aufschrift “JLP Songs”  auf einem Speicher gefunden, vor der Entsorgung und dem Vergessen gerettet hat und dem die Initiative zu diesem höchst gelungenen Indie-Gipfeltreffen zu verdanken ist, bei dem sich eine Vielzahl von Hohepriestern  des melancholisch-existenzialistischen Liedgutes ein anbetungswürdiges Stelldichein gibt.

Ob die großen Seelenprediger Mark Lanegan, Nick Cave, David Eugene Edwards oder Johnny Dowd. Ob Punk-Ikone Lydia Lunch, Indie-Liebling Isobel Campbell oder Pop-Heroine “Blondie” Debbie Harry (zu deren glühenden Verehrern Pierce zählte).

Ob Cave-Langzeit-Buddy Mick Harvey oder die fabelhaften Outlaw-Indie-Bands The Raveonettes, The Sadies und Crippled Black Phoenix, jede Song-Interpretation hier ist ein Treffer und ich habe selten eine musikalische Stunde so andächtig und ehrfürchtig genossen wie diese.

Dieses außergewöhnliche Indie-Folk-Blues-Punk-Rock-Album ist vom ersten bis zum letzten Ton ein Hochamt zu Ehren des Musikers Pierce und seines Ausnahmetalentes, dessen strahlendes Licht leider allzu früh erlosch, hier aber durchgehend neu entflammt wird – the flame still burns.

Dieses wunderbare, würdevolle, wahnsinnig schöne Album gehört in das Regal eines jeden Rockliebhabers und wird diesen bis an sein Lebensende begleiten. Wer hier keine Träne weint, ist längst versteint. Amen!

www.jeffreyleepierce.net



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