Musik - 17.01.10 -

Chelsy verabreichen uns sehr wirksame “Sweet Medicine”

chelsey_2009

Schon wieder gibt es Erfreuliches aus der deutschen Musiklandschaft zu vermelden. Aus Mülheim an der Ruhr kommt die Überraschungsband Chelsy und die schneit in den aktuellen Winter mit einem erstklassigen Indie Folk Rock Album namens “Sweet Medicine” rein.

In der Kürze liegt die Würze bei den prägnanten Songs des Trios, denn mehr als zwei bis drei Minuten brauchen Chelsy nur selten auf diesem Album, um ihre akustischen Köder auszulegen, nach denen man dankbar schnappt.

Der Einstieg mit “Who Needs Words” etwa kommt mit eingängigen hookigen Gitarrentwangs um die Ecke und endet in beinahe euphorischem Chorgesang.

“So My World” ist ein flott dahin rauschender Gute-Laune-Song, der sich die Klinke in die Hand gibt mit dem nicht minder lebendig-leichten “Paris, Montreal Or Rome.”

Danach lernen wir “Monique” kennen, die auf Anhieb sympathisch wirkt und lässigen Charme verbreitet, während sie von Gitarrist und Sänger Martin-Arlo Kroll angehimmelt wird.

Er und seine beiden musikalischen Mitstreiter Marcus Kalbitzer (Drums) und Tobias Jankord (Bass) verstehen es trefflich, eine Atmosphäre zu schaffen, in der man sich gleich Willkommen und Zuhause fühlt. Beim reduzierten, akustischen Folksong  “For My Friends” fühlt man sich dann auch fast schon persönlich angesprochen.

“First Letter” rockt wieder etwas mehr und treibt konsequent die Stimmung weiter, mit der alles begonnen hat. “Year To Year” ist nicht nur kurz, sondern auch kurzweilig – gute Unterhaltung.

Tanzen kann man zwar nicht in Chelsys “Discotheques,” aber man darf sich über die unverkrampften, unaufgeregten Gitarrenriffs freuen.

Meine ganze Sympathie erwirbt das Album schließlich mit “First LP´s”, weil der Song mich in mein üppiges Archiv schauen und dabei selige Erinnerungen wach werden lässt an die frühesten Begegnungen mit Rockmusik und die heiligen Grale der ersten Platten im Schrank. Fast so schön wie selbst gemachte Mixtapes.

Welches Potenzial für die Zukunft dieses Trio offenbar hat, zeigt sich darin, dass die Band sich das ganze Album hindurch steigert und als Schlusspunkt dann auch den Höhepunkt setzt bzw. deren zwei, denn der letzte Song “Difference” enthält einen Hidden Track.

Dieses Finale macht dann auch wirklich den Unterschied zu musikalischem Durchschnitt, denn der abschließende Song ist ein sanfter Earcatcher, der als verträumter langsamer Walzer mit Akkordeon und Streichern auskreiselt bis tief in die Gehörmuscheln hinein. Dafür nehmen sich die Jungs dann auch ausnahmsweise mal über fünf Minuten Zeit. Sehr schön!

Wie auch der Bonus Track, der sich als mutigster von allen rund 3 Minuten lang in das Langzeitgedächtnis schiebt. Die unter dem Lied liegende Soundschleife korrespondiert mit fast mantrahaftem Gesang und wenigen verstreuten Akkorden verschiedener Instrumente. Ein sehr spannender Abschluss eines durchweg gelungenen Albums. Mehr davon bitte!

Chelsy erweisen sich hier jedenfalls als eine junge Band, die es unbedingt zu beachten und weiter zu beobachten gilt, denn die scheinen noch einiges an Entwicklungsmöglichkeiten in petto zu haben.

Am 29.1.2010 kommt die süße Medizin von Chelsy in den Handel und sollte kräftig eingenommen werden.

www.myspace.com/chelsymusic



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